Alpkäseproduzenten zeigen gerne ihre Käserei

Die Dachmarke Schweizer Alpkäse wurde vom Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verband (SAV) und von den Schweizer Milchproduzenten (SMP) ins Leben gerufen. Ziele sind die Förderung der überregionalen Zusammenarbeit von Alpkäsern, die Unterstützung beim Vermarkten sowie die Absatzförderung und Stärkung der Konkurrenzfähigkeit von Alpkäse. Geschäftsführer Martin Rüegsegger im Interview mit Marktindex.

Martin Rüegsegger, Sie sind Geschäftsführer der Dachmarke Schweizer Alpkäse. Was macht diese Funktion so spannend?

Meine Aufgaben decken viele Bereiche ab –  von Fragen zur Produktion von Alpkäse bis zur Kommunikation für den Endkonsumenten. Zudem gibt es nicht den «einen» Schweizer Alpkäse, denn in jeder Region wird Alpkäse in einer grossen Vielfalt hergestellt, unterschiedlich lang gelagert, mit verschiedenen kulturellen Hintergründen.

Die Dachmarke Schweizer Alpkäse deckt sämtliche Regionen der Schweiz ab, welche Alpkäse produzieren. Welches ist denn Ihrer Ansicht nach der beste Alpkäse der Schweiz?

Der «Beste» ist derjenige, welcher mit Alpmilch von glücklichen Küchen, fachgerecht und mit viel Liebe hergestellt wurde. Ich esse mit meiner Familie sehr gerne Halbhart-Alpkäse aus der Zentral- und Ostschweiz sowie Alp-Hartkäse aus dem Berner Oberland und der Westschweiz.

Der «Beste» Alpkäse ist derjenige, welcher mit Alpmilch von glücklichen Küchen, fachgerecht und mit viel Liebe hergestellt wurde.

Was macht eine gute Alpkäserin oder einen guten Alpkäser aus?

Einerseits bringen Alpkäseproduzenten Fachkompetenz mit, welche sie zum Beispiel in einem Alpkäsekurs und Weiterbildungen erlangen. Andererseits braucht es für die Herstellung eines guten Käses einen ausgeprägten Tast- und Geruchssinn. Gefragt sind auch eine hohe Leistungsbereitschaft und Teamfähigkeit, damit der Produktionsprozess gewährleistet ist. Und natürlich darf die Leidenschaft für dieses einzigartige Produkt und das Leben auf der Alp nicht fehlen.

Wer will, kann eine Schweizer Alpkäserei besuchen – was darf man da erwarten?

Käsereibesuche sind aus Hygienegründen gar nicht mehr so selbstverständlich. Auf der Alp ist man da zwar weniger kompliziert – trotzdem müssen ein paar Regeln eingehalten werden. Alpkäseproduzenten zeigen gerne ihre Käserei und erklären, wie sie arbeiten. Das macht eine Führung einzigartig, weil offene Fragen spontan beantwortet werden. Erwarten Sie also keine 0-8-15 Führung, sondern lassen Sie sich vor Ort überraschen!

Von der Alpkäsekommission werden die Produzenten aufgefordert, den Alpkäsepreis gegenüber dem Vorjahr, um mindestens einen Franken pro Kilogramm zu erhöhen. Warum wird Käse immer teurer?

In der Vergangenheit wurde Alpkäse preiswert an Verwandte und Bekannte abgegeben. Dank der professionellen Qualitätssicherung und unseren Marketinganstrengungen sind sich die Produzenten unterdessen bewusster, welchen Wert ein Alpkäse hat. Neben den höheren Logistikkosten geht es beim Alpkäse vor allem darum, die Handarbeit angemessen abzugelten und das Produkt auf dem Markt entsprechend zu positionieren.

In der Schweiz wird viel billiger Alpkäse importiert, warum dieser Käseimport?

Ich kenne keinen billig importierten Alpkäse. Allgemein wird vor allem günstiger Käse aus Deutschland in die Schweiz importiert, das sind in erster Linie industriell gefertigte Käse.

Und welches sind die wichtigsten Exportländer und warum?

Vor allem Hart- und Extrahartkäse von Westschweizer Alpen, darunter L’Etivaz AOP, werden seit Jahren in grösseren Mengen nach Frankreich, Deutschland, Italien und in die Benelux-Länder exportiert. Neu wird Alpkäse aus der ganzen Schweiz in kleineren Mengen in die USA exportiert. Der Absatzanteil ist jedoch weniger als 10 Prozent.

Welche Vision haben Sie mit der Dachmarke Schweizer Alpkäse?

Schweizer Alpkäse wird auf traditionelle Weise, mit natürlichen Ressourcen produziert und in der Direktvermarktung und im Detailhandel als einzigartige und vielfältige Spezialität im höher positionierten Marktsegment regelmässig nachgefragt und mit Genuss konsumiert.

Beliebt sind auch die Alpgeschichten-Blogs bei www.schweizeralpkaese.ch, wie finden Sie immer wieder so gute Blogger?

Alpkäse wird unter anderem dank den seit Jahren veröffentlichten Blogbeiträgen sympathisch und emotional positiv wahrgenommen. Wir haben ein breites Netzwerk mit unseren Produzenten aufgebaut, welches uns erlaubt, die Kommunikation mit der Basis weiterzuentwickeln. Dies erfordert sowohl von den Produzenten als auch von meiner Mitarbeiterin Alex Casanova und mir täglich eine Prise Respekt und kommunikative Kompetenz, um Missverständnissen vorzubeugen, damit das Vertrauen erhalten bleibt.