Regenwasser als Trinkwasser: Unternehmer zeigt Chancen und Preise auf

Roger Givel von Marktindex.ch hat Ernst Deiss von der Aquatum AG in seinem Büro in Luzern getroffen. Der Unternehmer hinter regenfänger.ch bietet Systeme an, die aus Regenwasser Trinkwasser machen. Im Gespräch erklärt er, was solche Anlagen kosten, wie viel sich sparen lässt und welches Potenzial er bei der öffentlichen Hand sieht.
Regenwasser ist für Ernst Deiss kein Nebenprodukt, das man möglichst schnell in die Kanalisation leiten sollte, sondern eine wertvolle Ressource. Im Gespräch mit Verleger Roger Givel von Marktindex.ch legt der Unternehmer dar, wie aus Niederschlag Trinkwasser wird und was seine Anlagen leisten. Deiss ist Anbieter dieser Systeme und teilt im Gespräch seine langjährige Erfahrung.
Warum ausgerechnet Regenwasser
Auf die Frage von Givel, wie er zu diesem Thema gekommen sei, nennt Deiss Wasser eine der wichtigsten Ressourcen überhaupt, mit der man sorgsam umgehen müsse. Die Aquatum AG versteht er als Umwelttechnikunternehmen, das Ressourcenschonung hochhält und Menschen die Möglichkeit geben will, gesundes Trinkwasser zu haben, sei es aus dem Leitungsnetz oder aus aufbereitetem Regenwasser.
Beim Einstieg in diesen Markt sieht Deiss für die Schweiz noch viel Luft nach oben. «Wir liegen hier sicher zehn Jahre hinter den anderen europäischen Ländern», sagt er, und darin liege eine grosse Chance. Deutschland sei weiter, auch bei der Gesetzgebung, und die Bevölkerung dort sei für das Thema sensibler. Woran er das festmache, will Givel wissen. Deiss verweist auf Förderprogramme, die in Deutschland nach seinen Angaben schon vor zwanzig Jahren liefen. Städte und Gemeinden hätten dort früh erkannt, dass Regenwassernutzung sowohl die Trinkwasserversorgung als auch das Abwassernetz entlastet.
Genau hier sieht Deiss auch für die Schweiz Möglichkeiten. Regenwassernutzung sei «eine Kooperation und keine Konfrontation», sagt er mit Blick auf die Wasserversorger. Von Wasserwerken bekomme er bestätigt, dass sich Verbrauchsspitzen über die Regenwassernutzung problemlos dämpfen liessen.
Vom Dach bis zum Wasserhahn
Givel bittet um eine Erklärung für Laien: Was passiert eigentlich zwischen Dachfläche und Wasserhahn? Deiss beschreibt den Weg Schritt für Schritt. Das Dach ist die Auffangfläche, das Wasser läuft über die Dachrinne und danach durch einen Filter, im Idealfall durch einen Aquatum-Filter. Damit ist das Wasser sauber, aber noch kein Trinkwasser.
Vom Regenwassertank gelangt es in die Technik: Über einen Vorfilter in die Aufbereitungsanlage, wo daraus Trinkwasser entsteht. Anschliessend wird es in einem Zwischentank gelagert, vom Regenwassermanager angesaugt und im Haus verteilt. So führt die Leitung am Ende bis zum gewöhnlichen Wasserhahn.
Typische Einsatzgebiete sind laut Deiss WC-Spülung, Waschmaschine und Garten. Besonders bei der Waschmaschine sieht er Vorteile: Weil das Wasser keinen Kalk enthält, brauche es über 50 Prozent weniger Waschmittel, die Maschine verbrauche weniger Strom, weil kein Kalk aufgeheizt werden müsse, und sie halte länger. Er selbst habe privat eine Waschmaschine 17 Jahre lang genutzt, bis das Lager kaputtging. Daneben nennt er Autowasch- und Lastwagenwaschanlagen, allgemeine Reinigungsarbeiten sowie die Reinigung von Solarpanels, die vom kalkfreien Wasser profitiere.

Systemanbieter statt Baumarkt
Was seine Anlagen von Produkten aus dem Baumarkt unterscheide, fragt Givel. Deiss wird deutlich: Im Baumarkt könne man froh sein, wenn die Person hinter dem Verkaufstresen ein paar Grundsätze der Regenwassernutzung kenne. «Wir sind Systemanbieter, wir verkaufen nicht nur Pumpen oder Filter, sondern das ganze System», sagt er. Die Komponenten seien aufeinander abgestimmt.
Anders als viele Marktbegleiter, die Ware einkaufen, ihre Marge draufschlagen und weiterverkaufen, sei sein Unternehmen selbst Hersteller. Der Aquatum-Filter werde in der Schweiz in einer Kunststoffmanufaktur produziert und weltweit vertrieben. Die Regenwassermanager und Aufbereitungsanlagen entstehen nach eigenen Vorgaben in Europa. Der Vorteil liege im Zusammenspiel der Teile, das bei zusammengekaufter Baumarktware fehle.
Ob sich eine solche Lösung auch im Bestand nachrüsten lasse oder nur im Neubau lohne, will Givel wissen. Für Deiss ist die Nachrüstung beim Umbau- oder Sanierungsobjekt sogar besonders interessant. In diesen Häusern seien die WCs nicht separat geführt, sondern mit den Waschtischen zusammengeschaltet. Wer aus Regenwasser Trinkwasser herstellt, muss das Leitungsnetz des Hauses deshalb nicht ändern und kann das Wasser regulär einspeisen. Bei guter Auslegung des Tanks werde das Gebäude damit autark.
Zahlen, Kosten und Einsparungen
Zum Zahlenteil des Gesprächs: Bei einer Anlage im Emmental verging von der Bestellung bis zur Abnahme nur ein Monat. Eine typische Anlage für ein Einfamilienhaus, mit der aus Regenwasser Trinkwasser wird, kostet nach Angaben von Deiss zwischen 45'000 und 50'000 Franken, das sind reine Systemkosten ohne Einbau. Enthalten sind darin Tanks, Filtertechnik und Pumpentechnik.
Bei der Einsparung nennt Deiss rund 50 Prozent. Er erklärt die Zahl über den Verbrauch: In der Schweiz würden pro Tag im Schnitt 162 Liter Wasser gebraucht, fürs Duschen, fürs Zähneputzen und anderes. Mit WC-Spülung, Waschmaschine und Garten lasse sich rund die Hälfte davon über Regenwasser abdecken.
Wie viel das in Franken bedeutet, sei sehr unterschiedlich, sagt Deiss. Er erzählt von einer Bauherrin mit grossem Garten, die während zweier Monate nicht mehr bewässern durfte, obwohl dort Pflanzen für über 100'000 Franken standen. «Was nützen dir 100'000 Franken Pflanzen, wenn du sie nicht giessen darfst?», fragt er. Mit einer Regenwassernutzung stelle sich dieses Problem gar nicht erst: Das Wasser sei für die Pflanzenwelt besser und komme gratis vom Himmel. Rechne man beim Waschen den geringeren Waschmittelverbrauch, den tieferen Stromverbrauch und die längere Lebensdauer der Maschine zusammen, kämen über die Jahre schöne Beträge zusammen.
Ob sich eine Anlage denn für alle rechne, fragt Givel. Deiss sagt, die Anlage rechne sich immer, und bezeichnet das auch als philosophische Frage: Die Gesellschaft solle ihr Ellbogendenken ablegen und gemeinsam Ressourcen schonen, nicht nur Wasser, sondern auch Strom. Wer wolle, dass es in zwanzig oder dreissig Jahren noch gesundes Trinkwasser gebe, könne heute damit anfangen.
PFAS, Wasserqualität und Unterhalt
Deiss spricht das Thema PFAS offen an. Auf Nachfrage von Givel, wie gross das Problem beim Schweizer Wasser sei, nennt er Städte im Kanton Zürich, im Aargau und im Berner Mittelland, in denen nach seiner Aussage PFAS im Trinkwasser sei. Für ihn zeigt das, wie wichtig es ist, sich mit der Wasserqualität auseinanderzusetzen. Dass seine Haltung nicht überall geschätzt werde, erwähnt er ebenfalls: Es habe schon eine Episode gegeben, in der man ihm mit Anwälten gedroht habe.
Kann aufbereitetes Regenwasser tatsächlich Trinkwasserqualität erreichen? Deiss verweist auf zwölf Jahre Erfahrung und sagt, im Schnitt liefere seine Technik besseres und gesünderes Wasser als jenes aus dem Gemeinde- oder Stadtnetz. Sein Argument ist die Distanz: Zwischen Aufbereitung und Zwischentank liegen maximal zwei bis drei Meter, auf dieser kurzen Strecke könne kaum etwas passieren. In einem Leitungsnetz von mehreren tausend Metern dagegen schon: Marode oder defekte Leitungen, Keimbildung. Wasserproben zeigten vielerorts zu hohe Keimwerte, sagt er.
Beim Unterhalt müsse der Kunde selber praktisch nichts tun. Wer ein Serviceabonnement abschliesst, bekommt einmal jährlich Besuch vom Techniker, ähnlich wie bei einer Entkalkungsanlage. Dieser Besuch kostet laut Deiss zwischen 400 und 450 Franken.

Das ungenutzte Potenzial der öffentlichen Hand
Zum Schluss bringt Deiss von sich aus ein Thema auf: Die Bauten der öffentlichen Hand. Bei Sporthallen, Mehrzweckgebäuden, Feuerwehrmagazinen oder Gemeindesälen sei Regenwassernutzung längst noch nicht selbstverständlich. Dabei liesse sich zumindest für die WC-Anlagen oder für die Werkhöfe Wasser bevorraten, statt Parkanlagen mit Trinkwasser zu giessen.
Hier sieht Deiss viel Potenzial: «Die gleichen Städte und Gemeinden bauen Bauwerke mit riesigen Dachflächen und nutzen das Regenwasser nicht.» Gerade diese grossen Dachflächen böten die Chance, künftig deutlich mehr Regenwasser sinnvoll zu nutzen.
Wer sich beraten lassen möchte, meldet sich laut Deiss am besten per E-Mail und vereinbart einen Termin. Ein erstes Beratungsgespräch von einer halben Stunde ist bei ihm kostenlos, wahlweise per Teams oder Telefon.

Lorena Imfeld
Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.
Mehr Beiträge von Lorena Imfeld →






