Vom Ergotherapie-Plan zum Drogisten mit Kantonsratsmandat

Roger Givel spricht mit Christian Meister, Inhaber der Meister am Sprengiplatz - Drogerie in Emmenbrücke, über einen Beruf, der ihn nie mehr losgelassen hat, gegen 15'000 Artikel, Red Flags in der Beratung und die Kunst, Laden, Verband und Politik unter einen Hut zu bringen.
Christian Meister wollte eigentlich gar nicht Drogist werden. Heute führt der diplomierte Drogist HF die Drogerie am Sprengiplatz in Emmenbrücke als Inhaber, sitzt im Kantonsrat, präsidiert den Verein Luzerner Drogisten und sagt über seinen Beruf: «Ich bin mit viel Herzblut Drogist.» Wie es dazu kam, erzählt er im Interview mit Roger Givel.
Ein Umweg, der zum Ziel wurde
Der Plan war Ergotherapie. Doch dafür brauchte es zuerst eine berufliche Grundausbildung, und im Umfeld hiess es: Drogist sei eine gute Basis. Also ging Meister schnuppern, bekam auf Anhieb eine Lehrstelle und blieb hängen. «Der Beruf hat mich gepackt», sagt er heute.
Was ihn bis heute reizt, ist die Vielfalt. Drogist sei ein Allrounderberuf: Im Zentrum steht die Beratung, dazu kommen Marketing, Einkauf und die ganze Administration, die ein eigener Betrieb mit sich bringt. Und weil er längst nicht nur Heilmittel verkauft, bringt jede Kundin und jeder Kunde ein anderes Anliegen mit. Genau dieses Individuelle macht die Arbeit für ihn spannend.
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«Ich bin durch und durch Emmer»
Der Sprengiplatz ist in Emmenbrücke ein Begriff und für Meister ist er mehr als ein Standort. Er ist im unteren Gemeindeteil aufgewachsen und kannte die Drogerie schon als Kind. Dass sich später die Möglichkeit ergab, nach Emmen zurückzukehren und genau diesen Laden zu übernehmen, nennt er einen Glücksfall. Anderswo wohnen? Für ihn unvorstellbar.
Als Präsident der Sprengivereinigung sieht er den Platz als Schnittstelle, an der mehrere Quartiere zusammenkommen. Solche vernetzten Quartierstandorte hält er für die Zukunft: Nicht alle wollen ins Einkaufszentrum, viele schätzen den Laden um die Ecke, wo man sie kennt.

15'000 Artikel und keine Angst vor Nagellack
Schulmedizin, Spagyrik, Bio- und Reformprodukte, Kosmetik: Rund 15'000 Artikel stehen in der Drogerie am Sprengiplatz. Wie behält man da den Überblick? Meister lacht. In seiner Lehre waren es über 30'000. Natürlich müsse er manchmal selber nachschauen, ob etwas an Lager ist, und jede Nagellackfarbe kenne er nicht auswendig. Aber er sei nicht erst seit gestern im Geschäft und Neues komme ohnehin laufend dazu.
Dass glutenfreie und laktosefreie Produkte heute ein Schwerpunkt sind, war so nicht geplant. Vor rund 15 Jahren fragte Meister seine Kundschaft, was sie im Laden vermisse. Die Antwort: Reformprodukte und Bio-Lebensmittel. Schritt für Schritt baute er das Angebot aus. Als vor drei Jahren ein Reformhaus in der Region Konkurs ging, übernahm er dessen Filiale und integrierte sie in seine Drogerie. Schnell zeigte sich, wo die Nachfrage am grössten war: bei Menschen mit Unverträglichkeiten. Also spezialisierte sich der Betrieb darauf. Was gewünscht wurde und fehlte, kam ins Sortiment. So ist über die Jahre ein Angebot gewachsen, das Meister heute mit sichtbarem Stolz führt.
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Die Mischung, die zum Menschen passt
Tinkturen, Teekräuter, spagyrische Essenzen: Meister mischt sie individuell. Zwei Wege führen dorthin. Manche Kundinnen und Kunden kommen gezielt und verlangen eine Mischung, weil sie davon gehört haben. Andere landen im Beratungsgespräch, in dem Meister zwar auf ein Fertigprodukt hinweist, aber gleichzeitig eine massgeschneiderte Variante anbietet.
Die meisten entscheiden sich für die abgestimmte Mischung. «Die Leute verstehen sich selbst als individuell», sagt Meister. Durch gezieltes Nachfragen findet er heraus, welche Pflanze zum Menschen und zu seinem Problem passt. So tastet man sich gemeinsam zur Lösung vor.
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Kein Silo Schulmedizin, kein Silo Naturheilkunde
Wo liegen die Grenzen zwischen Naturheilkunde und Schulmedizin? Meister widerspricht schon der Frage. Getrennte Welten gebe es nicht, die Bereiche fliessen ineinander. Ein chemisches Hustenmittel kombiniert mit einem Hustentee sei bereits Schul- und Komplementärmedizin in einem.
Die eigentliche Grenze markieren die sogenannten Red Flags. Husten mit Fieber gehört ärztlich abgeklärt, weil eine Lungenentzündung dahinterstecken kann. Blasenentzündung mit Blut im Urin: ebenfalls ein klarer Fall. Diese Abklärung läuft über gezieltes Nachfragen und ist gesetzlich vorgeschrieben. Liegt eine Red Flag vor, führt der Weg zur Ärztin oder zum Arzt, ohne Diskussion.
Dienstag ist Politik
Neben der Drogerie ist Meister seit Jahren politisch aktiv, zuerst als Einwohnerrat und Ortsparteipräsident der Mitte in Emmen. Das lässt sich gut organisieren: In Emmen findet die Politik am Dienstag statt, also war der Dienstag reserviert.
Inzwischen sind das Kantonsratsmandat, die Mitarbeit in der kantonalen Parteileitung und die Wahlkampfleitung dazugekommen. Das sei teilweise herausfordernd, gibt Meister zu, Sitzungen um sieben Uhr morgens inklusive. Flexibel ist er, weil ihm das Geschäft gehört. Sein Anspruch bleibt trotzdem: «gegen 100 Prozent» im Betrieb. Möglich macht das ein Team, das ihm den Rücken freihält.
Was das Gewerbe in Emmen braucht
Gefragt, was das lokale Gewerbe am dringendsten braucht, nennt Meister drei Dinge. Erstens Erreichbarkeit: Parkplätze seien umstritten, aber nötig. Zweitens den Ladenmix: Je vielfältiger das Angebot, desto mehr wird es genutzt. Und drittens die Kundschaft selbst. Es braucht Menschen, denen ein Angebot im eigenen Quartier wichtig ist und die es deshalb auch nutzen, statt nur online oder im Ausland einzukaufen.
Individueller, beratungsstärker
Wo steht die Drogerie am Sprengiplatz in fünf Jahren? «Spannende Frage», sagt Meister. Der Betrieb überarbeitet gerade seine Strategie und prüft, ob die Richtung noch stimmt. Parallel dazu denkt auch der Verband über die Drogerie der Zukunft nach, und die gesamte Ausbildung wird neu aufgestellt. Wo genau die Reise hinführt, weiss Meister noch nicht. Zwei Dinge sind für ihn aber klar: Das Angebot wird individueller, und die Beratung bekommt einen noch grösseren Stellenwert. Für einen, der eigentlich Ergotherapeut werden wollte, klingt das nach genau dem richtigen Beruf.

Lorena Imfeld
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