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Spycher Handwerk AG in Huttwil: Wolle zum Anfassen, Erleben und Übernachten

Auf dem Bauernhof «Untere Bäch» in Huttwil dreht sich seit 1981 alles um Schweizer Wolle. Die Familie Grädel verarbeitet sie auf traditionelle Weise, verkauft Bettwaren, Kleider und Handarbeitsmaterial und lässt Gäste den ganzen Betrieb erleben, bis hin zur Nacht in der mongolischen Jurte.

Ronnie HürlimannVon Ronnie Hürlimann · 27. Oktober 2026

von Ronnie Hürlimann

Wer den Bauernhof «Untere Bäch» zwischen Huttwil und Schwarzenbach besucht, merkt schnell: Hier ist einiges anders als auf dem klassischen Bauernhof. Auf den Weiden grasen Schafe, Alpakas, Lamas und Kamele, hinter dem Hof stehen weisse Jurten, und in der Halle rattert eine Kardiermaschine. Das Herz des Ganzen ist die Wolle.

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«Unser Betrieb ist spezialisiert auf Wollverarbeitung und den Handel mit Wollprodukten aller Art», sagt Amos Grädel, Abteilungsleiter und Werbeverantwortlicher. Er gehört zur zweiten Generation, die den von Johann Ulrich Grädel gegründeten Familienbetrieb heute führt. Der Hof selbst ist sogar seit über 100 Jahren im Besitz der Familie.

Schlafen auf Schweizer Wolle

«Seit 1981 verarbeiten wir Schweizer Wolle auf traditionelle Weise. Der Hauptfokus liegt auf der Produktion von Bettdecken, Bettauflagen und Kissen», erklärt Amos Grädel. Dahinter steckt viel Sorgfalt. Die Wolle wird vor Ort gesammelt und von Hand sortiert. Die beste Qualität reist zum Waschen nach Belgien, denn in der Schweiz gibt es keine industrielle Wollwäscherei mehr. Zurück in Huttwil, wird sie in der eigenen Karderei gekämmt und zu Vlies verarbeitet. Daraus entstehen Duvets, Kissen und Betteinlagen, die seit 2022 in der hauseigenen Näherei direkt vor Ort genäht werden. Rund 70 Tonnen Schweizer Wolle durchlaufen den Betrieb jedes Jahr.

Dass Wolle im Bett so gut funktioniert, liegt an ihren Eigenschaften: Sie reguliert die Temperatur, nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab, ist atmungsaktiv und schmutzabweisend.

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Vom Spinnrad zur Wollmode

Die Anfänge der Firma liegen im Handwerk. «Der kreative Teil ist der Ursprung unserer Firma. Stricken, Spinnen, Weben und Filzen sind bis heute ein wichtiger Teil», so Amos Grädel. Wer selbst loslegen will, findet im Laden Wolle in allen Stadien und Farben, dazu Spinnräder, Webstühle und Kardiergeräte.

Mit den Jahren kam ein zweites Standbein dazu. «In den letzten 20 Jahren haben wir den Bereich der Naturfaserkleider, hauptsächlich Wollkleider, vergrössert.» Heute reicht das Sortiment von Merinobekleidung für den Sport über Strickmode und Thermounterwäsche bis zu kuscheliger Babykleidung, dazu kommen Socken, Mützen, Pullover und die in kalten Wintern so beliebten Finken. Mit Schweizer Marken wie Isa, Frilo oder Rotauf setzt der Betrieb bewusst auf Produktion im eigenen Land. «Wir bieten eine nachhaltige und nicht schnelllebige Mode, in hoher Qualität und trendigen Farben, die ansprechen», beschreibt Amos Grädel die Haltung. Über 10'000 Artikel umfasst das Angebot, viele davon gibt es auch im Onlineshop. Sein Fazit:

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«Heute sind wir das führende Fachgeschäft für Wolle, ihre Verarbeitung und Produkte rundherum.»

Der Weg der Wolle

«Den ganzen Betrieb kann man auch erleben. Wir bieten den Weg der Wolle, Betriebsführungen und Kurse an», sagt Amos Grädel. Der Weg der Wolle führt wie ein roter Faden durch den Hof. Informationstafeln zeigen, wie aus Rohwolle ein Produkt wird, und zu rund 25 Schafrassen gibt es Wollmuster zum Ertasten. In der Schaukarderei kann man an Werktagen den Mitarbeitenden über die Schulter schauen, an Maschinen, die über 100 Jahre alt sind und noch täglich laufen.

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Der Besuch des Wegs ist kostenlos und ohne Voranmeldung möglich. Am Sonntag ist er offen, der Laden bleibt dann geschlossen. Wer tiefer eintauchen möchte, meldet sich für einen Kurs rund ums Filzen, Spinnen oder Weben an. Auch für Kinder gibt es viel zu entdecken, unter anderem das Lämmli «Spychy», das die Kleinen spielerisch durchs Thema führt.

Kurse im Filzen, Spinnen und Weben sowie das Lämmli «Spychy» führen Kinder spielerisch ans Thema heran.

Übernachten wie die Nomaden

«Wer etwas länger bleiben möchte, kann im Sommerhalbjahr in einer Jurte übernachten», sagt Amos Grädel. Von April bis Oktober stehen sechs originalmongolische Jurten auf einer Weide hinter dem Hof, vom Wald eingerahmt und mit mongolischer Einrichtung. Die Wollisolation sorgt für ein angenehmes Klima, im Frühling und Herbst heizt zusätzlich ein Gasofen. Das Frühstück mit regionalen Produkten gibt es im Hofbistro, wer selber kochen möchte, nutzt die Gemeinschaftsküche.

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Als Zusatzprogramm bietet sich das Kameltrekking an. Rund eine Stunde führt der Weg gemächlich durch Felder und Wald, einem Bächlein entlang. Und wer sich traut, darf auch aufs Kamel steigen. So wird aus einem Ausflug zur Wolle ein kleines Stück Nomadenleben im Bernbiet, unweit der Luzerner Kantonsgrenze.
Ronnie Hürlimann

Ronnie Hürlimann

Ronnie Hürlimann war langjähriger Herausgeber des Zentralschweizer Freizeitmagazins «Insider», für das er zahlreiche Artikel verfasste. Heute ist er als Coach und Berater tätig. Die Freude am Schreiben ist ihm geblieben.

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