Die Schlafdauer ist nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch unter den Neugeborenen individuell sehr verschieden. So liegt die Spannbreite in den ersten drei Monaten bei 95% der Babys zwischen 11 und 19 Stunden Schlaf. Im Alter von 4 bis 11 Monaten beträgt diese Spannbreite 10-18 Stunden und zwischen 1 und 2 Jahren noch 9-16 Stunden. Weil sich Eltern oft unnötig Sorgen machen, werden für die Schlafdauer in den ersten paar Monaten ungern Empfehlungen abgegeben. Gleiches gilt für den Stillrhythmus, denn für Babys im Alter von einem Monat bis sechs Monaten gilt beim Stillen ein Spektrum von vier bis 13 Stillmahlzeiten pro Tag als normal.
Kolumne von Dr. phil. Daniel Brunner, zertifiziert in Schlafmedizin / Somnologie

In den ersten 6 Monaten benötigen Babys sowohl am Tag wie auch nachts Nahrung, Schlaf und Zuwendung in Schüben. Der Tagesverlauf dieser Grundbedürfnisse kann in dieser frühen Entwicklungsphase kaum beeinflusst werden. Man soll deshalb nicht zu früh versuchen, den Nachtschlaf des Säuglings zu verlängern. Sein zirkadianer (innerer) 24-Std.-Rhythmus muss sich erst entwickeln. Das Baby schläft mit der Ausbildung seines körpereigenen 24-Std.-Rhythmus automatisch in der Nacht mehr und am Tag weniger. Jedoch schläft auch im Alter von 12 Monaten fast jedes dritte Baby noch nicht 6 Stunden ohne Unterbruch durch.
Wiederkehrende Phasen der Schlafverschlechterung
Es ist üblich, dass Babys gelegentlich zu einem unregelmässigen Schlafrhythmus mit gestörtem Nachtschlaf zurückkehren. Diese Zeiten mit Schlafschwierigkeiten sind vorübergehende normale Phänomene der Säuglingsentwicklung, die in Ratgebern auch Zeiten der Schlafregression genannt werden. Diese Phasen können durch Zahnen, Krankheiten, Wachstumsschübe, veränderte Schlafenszeiten und beim Erlernen neuer Fähigkeiten wie Sprechen oder Laufen auftreten.

Tipps und Techniken für einen gesunden Babyschlaf
Obwohl der Schlafrhythmus in den ersten sechs Lebensmonaten weitgehend vom Stillen und Essverhalten des Säuglings bestimmt wird, gilt es zur Förderung eines gesunden Schlafs bewährte Techniken schon im Babyalter zu beachten. Das Festlegen einer einheitlichen Routine bei jedem Einschlafen ist der Schlüssel dazu, dass Ihr Baby lernt, gut und ruhig zu schlafen. Wenn im Alter von 4-6 Monaten die Abstände zwischen den Mahlzeiten länger werden, ist es empfehlenswert, einen Tag-Nacht-Rhythmus einzuführen und diesen mit folgenden Massnahmen zu fördern:
1) Sorgen Sie tagsüber dafür, dass Ihr Baby viel Tageslicht, viel Anregungen und Interaktionen erhält.
2) Finden Sie einen klaren Rhythmus und eine günstige Dauer der Tagesnickerchen, so dass Ihr Baby für die Nacht müde genug ist, ohne jedoch übermüdet zu sein.
3) Sorgen Sie für eine beruhigende Atmosphäre und eine gleichbleibende Schlafenszeit-Routine. Die folgenden Rituale können dem Kind helfen, die Nacht als Signal für das Schlafen zu erlernen:
- Ein Bad nehmen, falls dies nicht zu anregend ist für das Kind
- Anziehen des Schlafanzugs und einer frischen Windel
- Vorlesen eines Buches
- Singen eines Schlafliedes
- Ein Gute-Nacht-Kuss
- Dimmen des Lichts
- Sorgen für Ruhe in der Schlafumgebung
- Eine um 1-3 Grad tiefere Zimmertemperatur in der Nacht
4) Stillen Sie das Baby in der Nacht, wenn Hunger einen Schlafunterbruch herbeiführt. Dabei soll das Wiedereinschlafen nicht während des Stillens, sondern kurz danach geschehen.
Genug Schlaf für die Eltern
Für eine warmherzige Eltern-Kind-Beziehung darf der Schlaf der Eltern nicht zu kurz kommen. Schlafmangel reduziert die Geduld und die Emotionsregulation. Müde und gestresste Betreuungspersonen wirken auf das Baby zur Schlafenszeit wenig beruhigend und sind bei der Schlafroutine weniger konsistent. In unserer Leistungsgesellschaft wollen Eltern für ihr Kind nur das Beste. Hohe pädagogische Ansprüche erzeugen aber einen wahnsinnigen Druck, an dem man nur scheitern kann. Eine bedürfnis- und bindungsorientierte Elternschaft führt bei Eltern mit kleinem Betreuungsnetzwerk schnell zur Überforderung und Erschöpfung. Kommt Schlafmangel hinzu leidet die Freude auf den nächsten Tag, die Bindung zum Kind sowie die Gesundheit und Partnerschaft der Eltern. Für mehr Schlaf der Eltern sind folgende Tipps hilfreich:
1) Schlafen Sie und legen Sie sich tagsüber zu einer Auszeit hin, wenn das Baby schläft. Das kann eine Herausforderung sein, wenn die Aufgaben im Haushalt zunehmen. Eine echte Ruhepause für ein Nickerchen hilft Ihnen aber, neue Energie zu tanken.

2) Sagen Sie ruhig Nein. Falls Freunde und Angehörige Ihr Baby kennen lernen möchten, bitten Sie diese, den Besuch aufzuschieben, bis Sie und Ihr Baby eine gewisse Routine entwickelt haben.
3) Wenn Sie mit einem Partner leben, teilen Sie die Betreuungsaufgaben auf, so dass Sie Nächte ohne Elternverpflichtung einschieben können. Frische Eltern werden oft beide nachts vom Baby geweckt. Ziehen Sie stattdessen in Betracht, dass nur eine Person nachts mit dem Kind interagiert.
4) Legen Sie eine Bettgehzeit-Routine fest. Schlafrituale sind das Wichtigste bei Kindern und sollen von Tag zu Tag möglichst konstant sein. Sorgen Sie deshalb dafür, dass am Ende eines Tages die Möglichkeit besteht, sich als Familie zusammenzufinden, um gemeinsam eine Geschichte vorzulesen, vorzusingen und eine entspannte Atmosphäre zu schaffen.
5) Suchen Sie Hilfe. Scheuen Sie sich nicht, Freunde, Nachbarn und Familienmitglieder um Hilfe zu bitten, wenn Sie etwas Schlaf oder Zeit für sich brauchen. Sprechen Sie sich mit Ihrem Partner ab für die Zeiten, in denen das Baby wach ist.
6) Gehen Sie nach draussen. Wenn Sie sich die Zeit nehmen, an die frische Luft zu gehen, hat dies viele positive Auswirkungen auf Ihre Gesundheit.

7) Im Alter ab sechs Monaten können Sie den Beginn eines Schlaftrainings erwägen. Die klinische Forschung zeigt, dass ein Schlaftraining den Schlaf des Kindes wie auch die Stimmung der Mutter verbessert.
8) Um sich und den Angehörigen viel Leid zu ersparen, nehmen Sie die Angebote einer Schlafberatung oder Elternberatung in Anspruch. Weil jede Familiensituation ihre speziellen Bedürfnisse hat, ist ein individuelles Coaching sinnvoll.









