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Hypnosetherapeut Andreas Burri: «Unser Unterbewusstsein ist sehr mächtig»

Roger Givel hat Andreas Burri in dessen Praxis MindTraveller, Hypnose-Therapie-Coaching in Emmenbrücke, besucht. Der Hypnosetherapeut erzählt, wie er in der Corona-Zeit vom Reisen zur Arbeit mit dem Unterbewusstsein kam, welche Ängste ihm am häufigsten begegnen und wo er die Grenzen seiner Arbeit zieht.

Lorena ImfeldVon Lorena Imfeld · 13. Oktober 2026

Vom Reisen zur Arbeit mit dem Unterbewusstsein

Andreas, man kann sagen: Du bist vom Traveller-Coach zum Hypnosetherapeuten geworden. Wie kam es zu diesem Wechsel?
Der Wechsel kam in der Corona-Zeit. Vor der Pandemie hatte ich eine Hypnose-Ausbildung gemacht, rein aus eigenem Interesse, weil mich das Thema einfach wunderte. Einen Bezug dazu hatte ich immer schon, über meine Mutter. Sie konnte vielen Menschen helfen, auf mentale Art, mit Worten und mit Handauflegen. Als meine Ausbildung fertig war, in der Corona-Zeit, war das Reisen plötzlich nicht mehr da.

Und woher kommt der Name MindTraveller?
Weil ich eben auf Reisen war. «Mind» steht für die Gedanken, «Traveller» für das Reisen. Und wir sind ja alle auf einer Reise, die Leben heisst. Jeder Mensch hat seine eigenen Reiseziele. Bei den einen ist der Weg lockerer, bei den anderen schwieriger, steiniger, bergiger. Genau das war der Ursprung von MindTraveller.

Reisen und deine heutige Arbeit: Was haben sie mit dem Unterbewusstsein gemeinsam?
Unser Unterbewusstsein ist sehr mächtig. Ich vergleiche es mit einem Eisberg: Nur fünf Prozent liegen über Wasser und stehen für das Bewusstsein, während 95 Prozent darunter verborgen sind und das Unterbewusstsein bilden. Dort sind unsere Erinnerungen und Erlebnisse gespeichert – von der Kindheit bis heute. Als Kind nehmen wir viele Emotionen und Verhaltensmuster aus unserem Umfeld auf, etwa wenn es zu Hause schwierig ist oder die Eltern eigene Probleme haben. Diese Erfahrungen begleiten uns durchs Leben und können sich wie ein Schneeball immer weiter vergrössern, bis sie zu einer Belastung werden.

Wie läuft denn eine Hypnose-Sitzung genau ab?
Wenn jemand zu mir kommt, will ich zuerst wissen, wer dieser Mensch ist und welches Thema er mitbringt. Und es geht auch um die Frage, ob wir überhaupt zueinander passen. Wenn wir herausgefunden haben, worum es geht und ob ich unterstützen kann, fangen wir miteinander an. Dann kommt die Person in die Hypnose, und wir arbeiten mit ihren Emotionen. Manchmal sage ich aber auch ganz klar Nein, weil es nicht mein Stärkegebiet ist. Dann empfehle ich den Gang zum Psychologen.

Du hast Spezialgebiete erwähnt. Welche sind das?
Meine Spezialgebiete sind Angst, Blockaden, das Gedankenkarussell und der Schlaf. Nehmen wir den Schlaf: Wie viele Leute gehen ins Bett und haben regelrecht Angst davor, weil sie wissen, dass sie um zwei Uhr morgens wieder wach sind. Dann beginnt das Grübeln, das Gedankenkarussell startet, manche wachen schweissgebadet oder völlig verkrampft auf. Das Unterbewusstsein holt genau jene Dinge hervor, die du nicht verarbeitet hast. Es will ja, dass es dir gut geht. Aber wenn vieles in dir blockiert ist, meldet es sich so lange, bis du wach bist. Und wenn das immer wieder passiert, speichert sich das ab, und irgendwann schlägt das Nervensystem Alarm.

Wie viele Sitzungen braucht es im Schnitt, bis sich erste Erfolge zeigen?
Ich arbeite gerne über mehrere Sitzungen hinweg, damit wir verschiedene Aspekte eines Themas anschauen und wirklich an den Emotionen arbeiten können. Wie viele Sitzungen sinnvoll sind, hängt vom individuellen Anliegen und vom persönlichen Verlauf ab.

Gibt es Begegnungen, die dich besonders berührt haben?
Oh ja. Vergewaltigungen finde ich immer ganz schlimm. Schläge. Missbrauch. Das sind Dinge, die tief gehen.

Wie gehst du damit um?
Ich beschreibe es gern mit einem Bild: Wie ein Regenmantel. Ich ziehe ihn an, und es prallt ab. Und wenn ich nach Hause gehe, ziehe ich ihn aus und gehe duschen.

Was unterscheidet MindTraveller von anderen Anbietern?
Ich denke, jede und jeder macht die Arbeit gut. Ich selber arbeite mit Emotionen, kombiniere Emotionscoaching mit Hypnose und setze verschiedene Techniken ein, um an das Thema im Unterbewusstsein heranzukommen.

Angst, Trennungsangst und die Angst vor der Angst

Eines deiner Themen ist Angst. Welche Ängste begegnen dir in der Praxis am häufigsten? Flugangst, Prüfungsangst, Höhenangst, soziale Ängste?
Flugangst ist häufig, vor allem in der Reisezeit kommen viele Menschen damit zu mir. Da können nach meiner Erfahrung eine bis zwei Sitzungen reichen. Dann gibt es Spinnenangst, Tunnelangst, Angst vor dem Autofahren und sogar die Angst vor der Angst. Das geht sehr, sehr tief. Es ist dieses Gefühl: Ich könnte wieder Angst bekommen. Und das wird dann immer und immer wieder zum Thema.

Wie entsteht Angst überhaupt im Unterbewusstsein und wie arbeitest du damit?
Nehmen wir die Trennungsangst, auch das ist ein grosses Thema. Eine Frau lebt mit ihrem Mann zusammen und hat ständig Angst, dass er sie verlässt. Das ist ein Gefühl in ihr, sie kann nichts dagegen tun, es ist einfach da. Schon wenn das Handy klingelt oder eine Nachricht eintrifft, kommt der Gedanke, er könnte fremdgehen. Hinter diesem Gefühl steckt eine Emotion, und genau diese Emotion wollen wir suchen. Ich frage: Was macht diese Angst mit dir? Wie sieht sie aus?

Die Ursachen dafür können ganz unterschiedlich sein. Frühere Erfahrungen können eine Rolle spielen, müssen aber nicht unbedingt der Grund sein. Manchmal reicht das bis in die Kindheit zurück. Vielleicht war das Kind viel allein, vielleicht haben sich die Eltern getrennt, vielleicht war es sehr behütet und stand dann im Kindergarten plötzlich allein da. Es gibt aber auch andere mögliche Ursachen. Manchmal sind es Kleinigkeiten, bei denen Erwachsene sagen, das sei doch kein Problem. Für ein Kind ist das etwas ganz anderes.

Trennungsangst kann tief in der Kindheit verwurzelt sein, wo prägende Erfahrungen emotionale Ängste auslösen, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und das Vertrauen in Beziehungen beeinflusse
Trennungsangst kann tief in der Kindheit verwurzelt sein, wo prägende Erfahrungen emotionale Ängste auslösen, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben und das Vertrauen in Beziehungen beeinflussen.

Wie schnell spüren Klientinnen und Klienten nach einer Sitzung eine Veränderung?
Es kann schnell gehen, manchmal braucht es aber auch Zeit für einen Veränderungsprozess. Wenn ich mit einer Emotion arbeite, die wehtut, sitzt sie meistens in der Brust, im Bauch oder im Hals: ein Kloss, ein Stechen, ein Drücken. Wir richten die Aufmerksamkeit auf die damit verbundenen Empfindungen und Gefühle. Dadurch kann sich der Umgang mit der Belastung verändern und sie kann mit der Zeit nachlassen. Das geschieht über das Fühlen, indem wir die Emotion anschauen, statt sie wie im Alltag wegzudrücken. Dadurch kann sie weicher werden. Es ist wie mit einer Faust: Wenn du sie immer zusammenpresst, fühlt sich das irgendwann normal an. Und dann kommt jemand und sagt: Öffne sie doch einfach einmal.

Du sprichst auch von Blockaden. Wie muss man sich das vorstellen, und wie erkennt man eine Blockade?
Eine Blockade ist etwas, das sich nicht gut anfühlt. Es gibt Menschen, die blockiert sind, wenn sie mit anderen sprechen sollen. Andere sind blockiert, sobald sie mit fremden Leuten etwas unternehmen müssten. Sie kommen einfach nicht in Gang und haben das Gefühl: Ich bin blockiert. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein, und auch hier gehen wir über die Emotionen hinein.

Und dann der Schlaf, ein riesiges Thema. Wie kannst du dort helfen?
Der Schlaf ist tatsächlich ein riesiges Thema. Ich glaube, sehr viele Menschen können gar nicht richtig schlafen, weil sie grübeln. Wenn jemand jeden Tag um zwei, halb drei oder drei Uhr aufwacht, dann schauen wir uns genau an, was dahintersteckt und warum. Irgendetwas lässt dich nicht schlafen. Oft ist es ein Gedanke oder etwas Erlebtes, das beschäftigt. Und wenn man das wirklich angeschaut hat, sagen die Leute nachher: Ich kann durchschlafen. Vielleicht muss ich einmal aufs WC, aber ich schlafe wieder ein. Das ist das Schönste, auch für mich als Therapeut: Dieses Lächeln, wenn jemand sagt, ich habe keine Angst mehr, ich kann schlafen, ich fühle mich einfach frei.

Grenzen und Verantwortung

Wo liegen die Grenzen der Hypnose? Gibt es Fälle, in denen du sagst, hier kann ich nicht helfen?
Ja, und da bin ich sehr streng mit mir selber. Manchmal muss ich jemandem sagen: Hier kann ich dich nicht weiter unterstützen, ich möchte, dass du zu einem Psychologen gehst. Es ist sehr wichtig, dass ich Grenzen setze und nicht alles durchzwinge. Ich trage eine grosse Verantwortung, und dieser Verantwortung bin ich mir bewusst. Bei Suizidalität oder bei starken Depressionen braucht es therapeutische Unterstützung. Ich kann mit Ressourcenstärkung ein Stück weit begleiten, aber ich will, dass diese Menschen wirklich zum Psychologen gehen.

Und wie geht man vor, wenn man zu dir in die Hypnose kommen möchte?
Am wertvollsten ist es, sich Zeit für ein Erstgespräch zu nehmen. Ich mache das sehr gern, denn ich möchte den Menschen kennenlernen und wissen, welches Thema er mitbringt. Dafür nehme ich mir 30 Minuten, kostenfrei. Den Link dazu findet man auf der Webseite. So können wir gemeinsam schauen, was das Beste ist und ob wir eine gute Lösung finden.

Lorena Imfeld

Lorena Imfeld

Als Content Creator ist Lorena verantwortlich für die Gestaltung von Reportagen, Ads und digitalen Formaten. Sie verleiht unseren Kundinnen und Kunden einen modernen Auftritt und achtet dabei auf ein klares, strukturiertes Design. So verbindet sie Inhalte mit einer ansprechenden Optik, die das Publikum direkt erreicht. So entstehen Beiträge, die inhaltlich wie visuell überzeugen.

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