BERNINA Burri Nähcenter: «Eine Nähmaschine muss man erleben»
Conny Burri vom BERNINA Burri Nähcenter mit Leidenschaft fürs Nähen und einem Gespür für kreative Ideen.
Seit 2024 führt Conny Burri das BERNINA Burri Nähcenter mit vier Standorten in Zug, Schwyz, Stans und Affoltern am Albis. Im Gespräch erzählt sie, warum Nähen gerade wieder einen Boom erlebt, was moderne Maschinen heute können und weshalb persönliche Beratung auch im digitalen Zeitalter unersetzlich bleibt.
Frau Burri, Sie führen ein Unternehmen mit vier Standorten. Wie sind Sie zur Nähmaschinen-Branche gekommen, und was reizt Sie an Ihrer Rolle als Inhaberin am meisten?
Der Weg in diese Branche war für mich nicht von Anfang an vorgezeichnet. Als ich 2024 die Burri Nähcenter Zug AG übernommen habe, war das eine bewusste Entscheidung, mich auf etwas Neues einzulassen und gleichzeitig ein Unternehmen mit langer Geschichte weiterzuführen. Besonders reizt mich die Vielseitigkeit meiner Aufgabe. Ich kann unternehmerisch gestalten, mit Menschen arbeiten und gleichzeitig die Entwicklung des Unternehmens vorantreiben. Dabei fasziniert mich die Leidenschaft unserer Kundinnen und Kunden fürs Nähen und die Kreativität, die dahintersteckt. Als Inhaberin will ich Bewährtes bewahren, aber auch neue Impulse setzen. Genau diese Verbindung aus Tradition, Menschen, Handwerk und Innovation macht meine Rolle für mich so spannend.
Was hat sich in der Nähwelt am meisten verändert, und was ist bis heute gleich geblieben?
Verändert hat sich vor allem durch die Digitalisierung sehr viel. Moderne Nähmaschinen sind heute kleine technische Meisterwerke, die beim präzisen Arbeiten unterstützen und sich teilweise mit Apps verbinden lassen. Geblieben ist die Freude am eigenen Tun. Das Gefühl, aus einem Stück Stoff etwas Eigenes zu schaffen, ist heute genauso schön wie früher. Auch der persönliche Kontakt bleibt für mich unverzichtbar, gerade bei einem so kreativen und individuellen Hobby schätzen unsere Kundinnen und Kunden Beratung, Erfahrung und die Möglichkeit, eine Maschine selbst auszuprobieren.
Wie wichtig ist es Ihnen, Tradition und Innovation miteinander zu verbinden?
Für mich bedeutet Tradition nicht, alles so zu machen wie früher, sondern zu wissen, wofür man steht, und diese Werte in die Zukunft mitzunehmen. Innovation heisst für mich, offen zu bleiben, Neues auszuprobieren und sich weiterzuentwickeln. Genau dieses Zusammenspiel möchte ich für unser Unternehmen nutzen.
Zug, Schwyz, Stans und Affoltern am Albis: Wie unterscheiden sich die vier Standorte, und wie stellen Sie überall dieselbe Beratungsqualität sicher?
Jeder Standort hat seine eigenen Besonderheiten. Die Kundinnen und Kunden sind unterschiedlich, die Regionen haben ihren eigenen Charakter, und auch die Schwerpunkte unterscheiden sich von Filiale zu Filiale etwas. Was jedoch alle verbindet, ist die gemeinsame Freude am Nähen, an schönen Stoffen und an kreativen Projekten. Einen wesentlichen Anteil daran haben unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie bringen Fachwissen, Erfahrung und vor allem Freude an ihrer Arbeit mit, ganz unabhängig davon, ob man uns in Zug, Schwyz, Stans oder Affoltern am Albis besucht.
Sie sagen, welche Nähmaschine wirklich passt, lasse sich kaum online beantworten. Welche Rolle spielt die persönliche Beratung vor Ort in einer Zeit, in der vieles online gekauft wird?
Alles, was in unseren Filialen hängt, liegt und steht, kann man heute auch online kaufen. Der Unterschied liegt für mich klar in dem, was online und mit KI nicht möglich ist: in der persönlichen Beratung, im direkten Austausch und in der Zeit, die wir uns nehmen. Bei einer Nähmaschine geht es nicht nur darum, technische Daten zu vergleichen, sondern herauszufinden, was man nähen möchte, welche Erfahrung man mitbringt und welche Maschine wirklich zu einem passt. Das lässt sich nur bedingt über einen Bildschirm beantworten. Eine Maschine muss man erleben, ausprobieren und in die Hand nehmen. Obwohl heute fast alles online verfügbar ist, sehnen sich viele Menschen gerade deshalb wieder nach persönlichem Kontakt und echter Beratung. Das ist etwas, das kein Online-Shop bieten kann.
Von der mechanischen Nähmaschine bis zur Stickmaschine mit Touchscreen und Lasertechnik: Was können moderne Maschinen heute, was früher undenkbar war?
Die technische Entwicklung ist enorm, das lässt sich gut mit der Automobilindustrie vergleichen. Touchscreens, automatische Funktionen, intelligente Sensorik, Stickmodule, Laser- und Kameratechnik oder die Vernetzung mit digitalen Anwendungen eröffnen heute Möglichkeiten, die früher kaum vorstellbar waren. Trotz all dieser technischen Möglichkeiten hat sich eines nicht verändert: die Freude am Nähen. Am Ende geht es nicht darum, wie viel Technik eine Maschine besitzt, sondern um das Erlebnis, selbst etwas zu erschaffen.
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Neben dem Verkauf bieten Sie auch Reparatur, Service und Kurse an. Wie wichtig ist dieser Bereich fürs Geschäft?
Reparatur und Service sind ein sehr wichtiger Bestandteil unseres Geschäfts. Eine hochwertige Nähmaschine ist eine langfristige Anschaffung, BERNINA bietet eine Ersatzteilgarantie von 20 Jahren, und regelmässiger Service trägt dazu bei, dass eine Maschine lange zuverlässig funktioniert. Für uns ist das gelebte Nachhaltigkeit. Auch die Nachfrage nach unseren Kursen nimmt spürbar zu, deshalb bauen wir das Programm laufend aus. Ein Nähkurs vor Ort ist etwas anderes als ein Online-Tutorial. Man sitzt nicht allein vor einem Bildschirm, sondern lernt gemeinsam und hat jemanden direkt an der Seite, der weiterhilft.
Nähen als Hobby erlebt gerade wieder einen Boom, Reparieren, Unikate, Upcycling. Woher kommt dieser Trend, und wer sind die neuen Kundinnen und Kunden?
Ich glaube, Nähen erlebt gerade deshalb eine neue Wertschätzung, weil viele Menschen wieder bewusster mit Kleidung und Konsum umgehen möchten. Gleichzeitig wächst der Wunsch nach Individualität, man möchte etwas tragen, das den eigenen Stil widerspiegelt. Ein schönes Beispiel ist Ditaji Kambundji, die ihr Kleid für die Sports Awards 2026 selbst genäht hat. Das zeigt, dass Nähen längst nicht mehr nur ein traditionelles Hobby ist, sondern für Kreativität und Selbstverwirklichung steht. Es kommen Menschen zu uns, die früher nie gedacht hätten, selbst zu nähen, junge Leute genauso wie Menschen, die bewusst nachhaltiger leben möchten.
Was sind aktuell die grössten Herausforderungen für ein Fachgeschäft wie Ihres, Onlinehandel, Lieferketten?
Die grösste Herausforderung ist, sich in einer zunehmend digitalen und schnelllebigen Welt als Fachgeschäft zu behaupten. Online kann man rund um die Uhr vergleichen und bestellen, das wollen und können wir nicht verhindern, aber wir müssen zeigen, welchen Mehrwert ein Fachgeschäft bietet. Unser grosser Vorteil sind die Menschen. Wir beraten persönlich, lassen Maschinen ausprobieren und sind auch nach dem Kauf für unsere Kundinnen und Kunden da. Wir müssen nicht alles können, was das Internet kann, wir müssen das bieten, was das Internet nicht kann: persönliche Beratung, Fachwissen, Vertrauen und echte Begegnungen.
Im Fachgeschäft erleben Kundinnen und Kunden Beratung, Vertrauen und Maschinen zum Ausprobieren.
Wo sehen Sie das BERNINA Burri Nähcenter in fünf Jahren, gibt es Pläne für weitere Standorte oder neue Angebote?
In fünf Jahren sehe ich uns als modernes, zukunftsorientiertes Fachgeschäft, das seine persönliche Nähe zu den Kundinnen und Kunden trotzdem bewahrt. Unsere vier Standorte sollen weiterentwickelt und gestärkt werden, insbesondere im Bereich Kurse, Workshops, Service und persönliche Beratung. Ob es in fünf Jahren einen weiteren Standort geben wird, lasse ich bewusst offen. Wachstum ist für mich nicht einfach eine Frage der Anzahl Filialen, viel wichtiger ist, dass wir gesund wachsen und für unsere Kundinnen und Kunden relevant bleiben. Kurz gesagt: Wir wollen wachsen, aber vor allem in Qualität, Kompetenz und Nähe zu unseren Kundinnen und Kunden.
Ronnie Hürlimann
Ronnie Hürlimann war langjähriger Herausgeber des Zentralschweizer Freizeitmagazins «Insider», für das er zahlreiche Artikel verfasste. Heute ist er als Coach und Berater tätig. Die Freude am Schreiben ist ihm geblieben.