In seiner Praxis in Adliswil behandelt Mike Baumgartner seit Jahren Rücken, Nacken und Gelenke. Was aussergewöhnlich ist: Rund ein Drittel seiner Klienten laufen auf vier Beinen. Nach eigenen Angaben ist Baumgartner einer von nur zwei Therapeuten, die Sanfte Manuelle Therapie, kurz SMT, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren anwenden. Im Zentrum stehen Blockaden, Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und die Frage, wie der Körper wieder in Balance findet.
Schmerz braucht keine Sprache
Wer die Praxis SMT Baumgartner an der Rütistrasse 10 in Adliswil betritt, merkt schnell: Hier ist Therapie keine Einheitssache. Mike Baumgartner, diplomierter SMT-Therapeut, arbeitet nach der Sanften Manuellen Therapie, einer Methode, die der deutsche Arzt Dr. M. Graulich entwickelt hat. Sie verbindet Elemente der Dorn Therapie, der chinesischen Heilkunde mit Meridian- und Funktionskreislehre sowie Ansätze aus Osteopathie und klassischer Medizin. Statt ruckartiger Drehungen oder harter Impulse arbeitet Baumgartner mit gezieltem Handdruck, Bewegung und behutsamer Mobilisation. Anders als bei der Chiropraktik wird der Körper nicht mit schnellen Bewegungen korrigiert. Die Klientinnen und Klienten arbeiten aktiv mit, etwa durch Bein- oder Armbewegungen während der Behandlung.
Wenn der Körper ausweicht
Viele Menschen kommen mit Rückenproblemen, Bandscheibenvorfällen, Beckenschiefständen, Nackenbeschwerden oder Verspannungen zu ihm. Baumgartner schaut dabei nicht nur auf die schmerzende Stelle, sondern auf den ganzen Bewegungsapparat: Haltung, Gangbild, Muskelspannung und Ausweichbewegungen. «Wenn eine Person drei Meter auf mich zuläuft, weiss ich fast alles über sie», sagt er. Was zunächst salopp klingt, beschreibt seine Arbeitsweise genau. Der Körper zeigt oft schon in der Bewegung, wo er kompensiert, schützt oder blockiert.

Wenige Termine, kurze Übungen
Baumgartner verspricht keine langwierige Therapieserie. Nach seiner Erfahrung reichen häufig drei bis vier Termine, damit sich etwas Grundlegendes verändern kann. Danach beginnt der Teil, den der Klient selbst im Alltag übernimmt.
Dazu gibt er einfache Übungen mit. Keine komplizierten Programme, sondern kurze Sequenzen, maximal zehn Sekunden lang. Entscheidend sei die Wiederholung. «Ein Muskel braucht bis zu sechs Monate, bis er verstanden hat, was wir von ihm wollen», sagt Baumgartner.
Erst seine Frau, dann sein Hund
Zur SMT kam Baumgartner über eine private Erfahrung. Seine damalige Frau litt unter starken Rückenproblemen, lange fand sich keine passende Lösung. «Wir haben nie jemanden gefunden, der ihr helfen kann», erinnert er sich. Erst der SMT-Therapeut Mario Paoletto konnte ihr mit wenigen Behandlungen helfen. Für Baumgartner war das der Moment, in dem er die Methode ernsthaft kennenlernte und sich später selbst darin ausbilden liess.
Einige Jahre danach kam ein zweiter Schlüsselmoment dazu: sein eigener Hund. Nach einem Autounfall hinkte dieser leicht, ohne dass ein Tierarzt eine klare Ursache fand. Baumgartner beschäftigte sich mit Hundeanatomie und übertrug die Prinzipien der SMT auf seinen Hund. Daraus entwickelte sich seine Arbeit mit Tieren.

Wenn Tiere zeigen, was Worte nicht sagen
Rund ein Drittel von Baumgartners Klienten sind Vierbeiner, vor allem Hunde und Pferde. Auch bei ihnen arbeitet er über Beobachtung, Berührung und sanfte Korrektur. Wo Worte fehlen, zeigen Haltung, Gangbild oder Ausweichbewegungen, wo etwas blockiert. Seine Behandlung nehmen sie gut an: «Tiere spüren sofort, dass du helfen willst.»


Ganzheitlich, bodenständig und persönlich
Baumgartner versteht SMT als ganzheitliche Methode, aber nicht als Ersatz für medizinische Abklärung. Entscheidend ist für ihn der genaue Blick: Wie steht ein Mensch? Wie läuft ein Hund? Wo weicht ein Pferd aus? Oft beginnt seine Arbeit dort, wo Bewegung etwas erzählt, das Worte nicht sagen können.
Eine Erstbehandlung für Erwachsene dauert rund 45 Minuten und kostet 100 Franken, Nachbehandlungen kosten 65 Franken. Für Kinder gelten reduzierte Tarife, Mütter und Babys können gemeinsam behandelt werden.
















