Einlagen hatten lange ein Imageproblem: klobig, hart, irgendwie nach «muss halt sein». Doch moderne Orthopädietechnik hat das Kapitel neu geschrieben – mit feineren Materialien, präzisen Analysen und einem klaren Anspruch an Komfort. Bei Orthopädie Schärer in Luzern und Zug trifft diese Entwicklung auf eine Werkstatt, die viel Erfahrung mit modernem Handwerk verbindet. Und auf einen Geschäftsführer, der das Thema Einlagen bewusst entdramatisiert: Dave Beetschen.
von Ronnie Hürlimann

«Einlagen sind heute kein Schmerzprodukt mehr», sagt Dave Beetschen. «Das war früher dieser Ruf: hart, unangenehm, man trägt es nur, wenn man muss. Das hat sich deutlich verändert.»
Beetschen beschreibt damit einen Trend, den viele Kundinnen und Kunden spüren: Einlagen sind nicht mehr die letzte Station, wenn gar nichts mehr geht – sondern oft eine intelligente Unterstützung für Alltag, Sport und Prävention. Statt «Zwangskorrektur» geht es heute viel stärker um Entlastung, Stabilität und um eine Lösung, die sich natürlich anfühlt.
«Die Technik ist fein geworden», betont er. «Früher war vieles starr. Heute arbeiten wir mit modernen Materialien, mit Aufbauten, die leichter sind – und vor allem weich und flexibel.»
Der Startpunkt: Verstehen kommt vor Bauen
In der Werkstatt entstehen Einlagen nicht einfach «nach Schablone». Beetschen spricht vom Rohbau – also einem Grundaufbau, der anschliessend präzise auf Fuss, Gangbild, Belastung und Schuh abgestimmt wird.
Sinngemäss beschreibt er den Prozess so: «Bevor irgendetwas gebaut wird, muss klar sein, was der Fuss wirklich braucht. Sonst produziert man irgendetwas – aber nicht die passende Lösung.»

Ein zentraler Punkt bei Orthopädie Schärer: Die Anamnese ist kostenlos. «Wir machen die Abklärung ohne Rechnung», sagt Beetschen. «Bei vielen Mitbewerbern kostet das schnell 120 bis 180 Franken. Für uns ist das ein Servicegedanke: Erst analysieren, dann entscheiden.»
Diese Haltung nimmt Druck aus dem Thema. Statt sofort «Einlagen verkaufen» steht zuerst ein sauberes Bild der Situation im Vordergrund: Was passiert beim Stehen? Was beim Gehen? Wo wird überlastet? Was ist der Auslöser – und was die Folge?
Biomechanisch oder sensomotorisch? Zwei Prinzipien, zwei Wirklogiken
Orthopädie Schärer arbeitet mit unterschiedlichen Einlagen-Typen – je nach Bedarf.
Biomechanische Einlagen wirken vor allem passiv über stützende und führende Strukturen. Sie bringen den Fuss mechanisch in eine anatomisch günstigere Position – klassisch bei Achsenkorrekturen, Entlastungen oder Druckumverteilung. «Bei biomechanischen Einlagen geht es um Führung und Stabilität. Der Fuss bekommt eine bessere Ausgangslage, damit Strukturen entlastet werden», erklärt Beetschen.
Sensomotorische Einlagen funktionieren anders: Sie setzen gezielte Reize, die Muskel-Sehnen-Komplexe ansprechen und dadurch Aktivität und Gelenkstellung beeinflussen können. Vereinfacht gesagt: Nicht nur stützen – sondern das System «wach» machen.
Beetschen nennt das «die aktive Variante». Sinngemäss sagt er: «Hier geht es nicht darum, den Fuss einfach zu halten. Es geht darum, die Muskulatur über Reize so zu unterstützen, dass sich das Bewegungsmuster verbessern kann.»
Sensomotorische Einlagen sind bei der Orthopädie Schärer eine Spezialität – besonders dort, wo Koordination und muskuläre Ansteuerung entscheidend sind: bei Kleinkindern (Entwicklung und Bewegungsmuster) und bei Sportlerinnen und Sportlern (Stabilität, Belastungssteuerung, Präzision). «Gerade im Sport ist das Thema spannend», sagt Beetschen. «Wenn das Zusammenspiel stimmt, kann sich das auf den ganzen Bewegungsablauf auswirken.»

Schuhe ohne «Grossmutter-Look»
Einlagen funktionieren nie isoliert. Darum spielt das Schuhangebot eine wichtige Rolle. Orthopädie Schärer führt ein grosses Sortiment – unter anderem Laufschuhe und Bequemschuhe – und setzt dabei auf moderne Designs.
Beetschen bringt es mit einem Satz auf den Punkt: «Der sogenannte Grossmutter-Schuh ist Geschichte.» Schuhe, die komfortabel und funktional sind, dürfen heute gut aussehen – und werden mit modernen Materialien entwickelt, statt klobig konstruiert.
Dazu kommt ein praktischer Vorteil: Wer Einlagen trägt, braucht oft mehr Auswahl, bis Schuh und Einlage wirklich harmonieren. «Es bringt nichts, eine gute Einlage zu haben, wenn der Schuh dagegen arbeitet», sagt Beetschen sinngemäss. «Beides muss zusammenpassen.»

Zentralschweizer Grösse mit Werkstatt-DNA
Orthopädie Schärer gilt als einer der grossen Player unter den Orthopädie-Fachgeschäften in der Zentralschweiz – mit entsprechend viel Arbeit, die täglich durch die Werkstatt läuft. Neben dem Standort Luzern ist das Unternehmen auch in Zug präsent. Der langjährige Mitarbeiter Dave Beetschen übernahm das Traditionsunternehmen vor sechs Jahren vom damaligen Inhaber Marco Schärer. Orthopädie Schärer ist seit über 100 Jahren am Markt etabliert. Marco Schärer ist dem Betrieb bis heute verbunden und wirkt weiterhin als Berater sowie als Mitglied des Verwaltungsrates mit.
Fazit: Orthopädietechnik wird präziser, leichter, materialintelligenter. Einlagen stehen dabei exemplarisch für den Wandel: weg vom «harten Pflichtprodukt – hin zur massgeschneiderten Lösung, die sich fast selbstverständlich anfühlt.






