Glutenfrei, laktosefrei, histaminarm – was früher als Ausnahme galt, gehört heute für viele zum Alltag. Doch was steckt wirklich hinter all den Unverträglichkeiten und Allergien? Und wie erkennt man, was der eigene Körper (nicht) verträgt? Ein Gespräch mit Christian Meister von der Meister Drogerie in Emmenbrücke bringt Klarheit – und überraschende Einsichten.
von Ronnie Hürlimann

«Viele verwechseln die Begriffe Allergie und Unverträglichkeit – dabei ist der Unterschied zentral», erklärt Christian Meister, Inhaber der Meister Drogerie am Sprengiplatz in Emmenbrücke. «Eine Allergie ist medizinisch abgeklärt und diagnostiziert, etwa bei Zöliakie – hier kann man sogar einen Steuerabzug geltend machen. Bei Unverträglichkeiten hingegen handelt es sich oft um diffuse Symptome: Bauchschmerzen, Hautausschläge, Kopfschmerzen oder auch Müdigkeit.» Während bei einer Allergie klare Mechanismen wie Histaminausschüttung im Spiel sind, zeigen sich Unverträglichkeiten oft schleichend und unspezifisch – was die Diagnose erschwert.

Milchzucker, Tomaten, Dinkel – was der Körper nicht will
In seiner täglichen Beratungspraxis begegnen Meister vor allem zwei Klassiker: Laktose- und Histaminintoleranz. «Rund 15 Prozent der Schweizer Bevölkerung vertragen Milchzucker nicht – das ist eine enorme Zahl», sagt er. Histaminintoleranz zeigt sich hingegen oft bei gereiften Produkten wie Salami, Rotwein oder reifen Tomaten. Aber auch weniger bekannte Auslöser wie Eier oder Milcheiweiss stehen immer häufiger im Verdacht, Beschwerden zu verursachen.
Und wie steht es mit Dinkel, der gerne als gesunde Alternative zu Weizen gehandelt wird? «Ein häufiger Irrtum! Dinkel ist nicht glutenfrei. Wer an Zöliakie leidet, muss auch hier aufpassen.»

Beratung mit Fingerspitzengefühl – und viel Geduld
Wer mit diffusen Symptomen in die Drogerie kommt, trifft auf einen strukturierten Ablauf: «Zuerst fragen wir, ob es eine ärztliche Abklärung gibt. Wenn nicht, arbeiten wir mit dem Ausschlussprinzip – eine Art detektivische Spurensuche.» Das heisst konkret: Für einige Wochen auf gewisse Lebensmittel verzichten und beobachten, ob sich die Beschwerden bessern. «Bei Laktose merkt man die Veränderung oft schon nach wenigen Tagen. Hautreaktionen brauchen länger.» Auch wichtig: eine medizinische Diagnose darf nur der Arzt stellen – in der Drogerie geht es um Begleitung, nicht um Diagnose.
Wenn die Haut spricht – Reaktionen richtig einordnen
Ein weiteres sensibles Thema sind Hautausschläge. «Oft ist es eine Kombination aus mehreren Faktoren», sagt Meister. «Viele Kundinnen denken etwa, dass sie ein ätherisches Öl nicht vertragen – dabei ist es vielleicht das Konservierungsmittel in der Bodylotion, das in Kombination mit dem Öl tiefer eindringt.» Auch hier hilft nur genaues Beobachten und Ausschlussverfahren – oder im Zweifelsfall ein Besuch beim Arzt mit einem Pricktest.
Der Darm – oft unterschätzt, aber zentral
Ein grosses Thema, das in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat: die Darmgesundheit. «Wenn der Darm gereizt oder durchlässig ist – man spricht vom Leaky-Gut-Syndrom –, kann der Körper überreagieren, obwohl gar keine echte Allergie vorliegt.» Deshalb wird oft empfohlen, zuerst Entzündungen zu lindern und dann einen gezielten Darmaufbau zu starten. «So lassen sich viele Beschwerden verbessern – nicht selten verschwinden sie sogar ganz.»

Ein Erfahrungsbericht, der Hoffnung macht
Besonders eindrücklich bleibt Christian Meister ein Fall aus seiner Praxis in Erinnerung: Eine Grossmutter kam mit der Bitte um Hilfe für ihren neunjährigen Enkel, der unter extremen Verdauungsproblemen litt. «Die Schulmedizin hatte nichts gefunden und eine psychische Ursache vermutet – inklusive Psychopharmaka-Empfehlung. Wir haben stattdessen einen Darmaufbau gemacht – nach kurzer Zeit war das Kind beschwerdefrei.» Ein Beispiel, das zeigt, wie vielschichtig solche Themen sind – und wie wichtig es ist, ganzheitlich hinzuschauen.
Sensibilität statt Verzicht
Und wie steht es um die Entwicklung in den letzten Jahren? «Das Thema ist definitiv präsenter geworden», meint Meister. «Früher hat man vieles einfach hingenommen – Bauchweh nach dem Käse – der Schweizer Nationalspeise – etwa. Heute weiss man: Das muss nicht sein.» Auch das Sortiment habe sich verändert. «Glutenfreie Produkte schmecken längst nicht mehr wie Pappe. Wir haben mittlerweile Zopf-Brot, das kaum vom Original zu unterscheiden ist.» Interessant: In anderen Ländern ist man da schon weiter. «In Italien zum Beispiel gibt es riesige Fachgeschäfte nur für Menschen mit Unverträglichkeiten – mit genussvollen, schön präsentierten Produkten. Wir holen in der Schweiz aber langsam auf.»
Ob Allergie oder Unverträglichkeit – das Thema ist komplex, individuell und oft emotional. Doch mit einer guten Beratung, etwas Geduld und dem Mut, dem eigenen Körper zuzuhören, lassen sich viele Beschwerden lindern – oder gar ganz vermeiden. Und vielleicht sogar neue kulinarische Lieblingsprodukte entdecken. Wer sich unsicher ist, findet bei Christian Meister in der Meister Drogerie am Sprengiplatz in Emmenbrücke kompetente Unterstützung – ganzheitlich, einfühlsam und mit viel Erfahrung.



















