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Walter Meier, mal so, mal so, mal so

Ein einzigartiges Interview mit dem Buchautor und Lehrer Walter Meier

Eigentlich war mit Lehrer Walter Meier ein ganz normales Interview geplant. Herausgekommen ist ein höchst amüsantes Gespräch mit einem Querdenker, der seiner Umgebung die Wahl überlasst ein Original zu sein und seiner Sonja, die trotz unbestreitbarem Talent auch keine Künstlerin sein will. Es ging chaotisch zu. Die Themen und Reminiszenzen wechselten im Minutentakt und mir war schnell einmal klar, dass dieses Gespräch für einen Fotografen mit Do it yourself Schreiberfahrung eine Knacknuss würde. Wie die WELTWOCHE schrieb, Walti Meier ist eine Wundertüte. Neben seinen unbestreitbaren pädagogischen Fähigkeiten, davon zeugen ganze Mappen voller Dankesschreiben seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler, kann er auch seine Gedanken als Buchautor von vier Werken ernsthaft und humorvoll unter die Öffentlichkeit bringen. An seinen «Waltissagen» hat es immer zu wenig Stühle und seine angebeteten DFB Fussballer werden regelmässig Weltmeister. Eigentlich alles Friede, Freude, Meierkuchen, wenn da nicht die…  Aber lesen Sie selber, entweder seine vier Bücher oder die monatliche Kolumne «Meier meint» im Marktindex.ch, denn, Meier mag nicht, wenn alles stimmt!

Bist du ein Original?

Das müssen andere beurteilen. Ich kann dir das an einem kleinen Beispiel verdeutlichen. Meine Frau Sonja kreiert Skulpturen. Weder sie selber noch ich haben jemals gesagt, sie sei eine Künstlerin. Dies sollen doch andere beurteilen. Ich bin einfach ich, «de Walti», eine relativ «ehrliche Haut». Es gibt genügend andere, die sich hinter einer Maske verstecken und daher nicht unbedingt authentisch sind.

«Ein Original ist eine Person, die durch unverwechselbares, zum Teil auch exzentrisches Auftreten, Verhalten oder andere Eigenschaften bekannt geworden ist», sagt WIKIPEDIA. Dazu passt doch dein Auftreten mit einem grossen Plastiksack, den du immer und überall mitträgst. Das erinnert stark an die Eigenart des Luzerner Originals Aloisia Ziehlmann aus Adligenswil, die auch immer mit Einkaufswägäli oder Plastiksäcken unterwegs war.

Wie bereits gesagt, ich überlasse das anderen, ob mich ein Plastiksack zu einem Original macht. Er gehört einfach zu mir. Selbst auf den Hochzeitsfotos aus dem Jahre 1983 bin ich mit Plastiksack zu sehen, im Gegensatz zu meiner Braut, die eine Zigarette in der Hand hält. Ist sie deshalb auch etwa ein Original …

Zwischenruf von Sonja:  Wir können uns gegenseitig nichts vorwerfen, jeder hat gewusst, was auf ihn zukommen wird.

Walter: Ich habe mir auch schon Gedanken gemacht, einen ledernen Sack zu erwerben. Solch ein Modell würde mit Sicherheit besser zu einem Lehrer passen.

Das würde den Umweltschützern bedeutend besser gefallen als dein Hang zu Plastik?

Wohl nicht, denn ich trage Sorge zu meinen Plastiksäcken. Wenn sie nach wochenlanger Benutzung durchgetragen sind, melde ich mich an der Rezeption der GLASI in Hergiswil am See, wo man mich, mit dem Segen von Röbi Niederer, wieder gratis mit neuem Material eindeckt.

Das hört man gerne. Aber nun zum Wichtigsten, zum Inhalt dieser GLASI Säcke. Die renommierte WELTWOCHE hat dich in einem Artikel als «wandelnde Wundertüte» betitelt.

Mit dabei habe ich immer nur das Nötigste. Zum Beispiel meine zwei Handys, will heissen einen Telefonhörer (schwarzrotgold) und eine Handy-Turbo Reinigungsmittel. Dazu eine Rolex Uhr, ein Bracelet von Cartier, diverse Lolipops, eine Buchstabensuppe für Legastheniker, etc. Ich habe immer Sachen dabei, die anderen eventuell Freude machen könnte, manchmal für Heinz Steimann sogar eine Bayrische Bretzen.

Sonja:  «Är dued halt rüüdig gärn chrömle». Walter ist eine grosse, männliche Shopping-Queen, im Sinne von: «Ich shoppe, also bin ich!»

Du machst aber selten vor einem Modegeschäft halt, um dich so einzukleiden, wie sich die Normalos einen Lehrer vorstellen?

Dazu fällt mir eine passende Geschichte ein. Im Schulhaus Gersag in «Emmenbronggs» gab es immer am letzten Freitag des Monats eine Kleiderregel, den sogenannten «Trainerhosen-Tag». Da durften die Schüler mit ihren Trainerhosen zur Schule gehen. Der Witz dieser Aktion war, dass niemand daran gedacht hatte, dass auch vielleicht Lehrer davon Gebrauch machen könnten. Diesen Tag habe ich in meiner Agenda immer rot angestrichen, um ihn ja nicht zu vergessen. Nicht so wie einige Schüler, denen das Licht des «Trainerhosen-Tages» erst aufging, als sie mich sahen. Für einige meiner Kollegen war dieses Auftreten nur mit Kopfschütteln zu ertragen, obwohl meine Trainerhosen doch absolute Jet-Set Hosen für 280 Franken waren. Ich konnte sie mir allerdings erst erwerben als sie von 140 letzten Endes auf 70 Franken herabgesetzt waren. Übrigens, bei der Schulleitung gingen Klagen ein – nicht von Schülern – dass ich mich unprofessionell kleide…

Als Buchautor von «Der Nestbeschmutzer» (1998), «Meine Schwester» (2007), «Elwis und Laura» (2012) und deinem vierten Werk «Schule in Ketten» (2015)» hast du dir besonders mit dem «Nestbeschmutzer» und «Schule in Ketten» bei vielen deiner Berufskollegen und Vorgesetzten viel, sagen wir es einmal so, Unverständnis eingehandelt. Waren diese beiden Ausgaben als Provokation gedacht?

Nein. In dieser Sache provoziere ich nicht. Ich sehe mich nicht als Agitator, der überall etwas sucht, um des Suchens willen. Ich war von 1974 bis 1997 im Jugendheim Schachen als Oberstufenlehrer angestellt. Im Laufe dieser Zeit hatte ich zwei Heimleiter als Vorgesetzte, mit denen ich beruflich und menschlich ein überaus positives Verhältnis aufbauen konnte, das bis heute noch Bestand hat. Mit dem Dritten war das nicht mehr unbedingt der Fall.

Kann man da herauslesen, dass du Probleme hast, wenn man dir Vorschriften macht?

Nein. Ich meine sogar, klare Befehle erleichtern den Gehorsam. Wenn die neue Weisung für mich jedoch pädagogisch nicht nachvollziehbar ist, bekomme ich jeweils ein Problem. Wie zum Beispiel im Jugendheim Schachen die Installierung einer Schulleiterin, die ich aufgrund diverser Vorkommnisse nicht als meine neue direkte Vorgesetzte akzeptieren konnte. Ein anderes Beispiel, dasjenige eines Schulleiters in Emmen. Ich darf mit gutem Gewissen festhalten, dass ich in meiner Zeit als Lehrer selten krank war. Nachdem ich mich an einem Dienstagmorgen krank meldete, am selben Nachmittag hatte ich übrigens schulfrei, ging ich am Mittwochmorgen wieder meiner Arbeit nach.  Der Schulleiter verlangte von mir ein Arztzeugnis. Begründung, das sei eine neue Weisung des Rektorats.  Auf meine Nachfrage hin wussten weder der Rektor noch seine Chefsekretärin etwas von irgendeiner neuen Weisung hinsichtlich des Themas «Krankheitsabwesenheit». Demzufolge konfrontierte ich meinen Schulleiter mit dem Vorwurf «Mobbing». Wie mich die sogenannte Obrigkeit beurteilt, nun ja, dass überlasse ich ihr. Das Wichtigste war für mich immer, was meine Schüler von mir halten. Hätten die Jugendlichen an mir und an meinem Unterricht Kritik geübt, ich hätte mir umgehend Gedanken gemacht, den Lehrerberuf an den Nagel zu hängen.

Sonja: Da spielt viel Neid einiger Berufskollegen mit, denn in pädagogischer Hinsicht konnte man Walter nichts vorwerfen. Er wusste einfach, wie man sogenannt «schwierige Schüler nehmen» musste. Ich hätte sehr gerne einen Lehrer gehabt, der so ist wie er. Für mich ist und bleibt er eine Koryphäe.

Da musste dich doch die Entlassung im Jugendheim Schachen sehr getroffen haben?

Ja, die Kündigung kam nach 23 Jahren anno 1997. Grund: Ich akzeptierte das neue Organigramm mit der neuen Schulleiterin nicht. Mein einziger Wunsch war, dass der Pfeil im Organigramm, wie in all den Jahren zuvor, von mir direkt zum Heimleiter führen sollte. Das jedoch konnten die Heimkommission und der Stiftungsrat nicht akzeptieren. So kam es zur unfreiwilligen Trennung. Um eventuellen Gerüchten Vorschub zu leisten – da war doch vielleicht noch mehr mit im Spiel als die Einsetzung einer neuen Schulleitung – schrieb ich das Buch «Der Nestbeschmutzer», in dem ich die leidige Angelegenheit Punkt für Punkt der breiten Öffentlichkeit zugänglich machte.

Um was geht es in deinem vierten Buch «Schule in Ketten»?

Es ist eigentlich egal, in welchem Beruf du arbeitest. Immer gibt es Leute, die erst Klartext reden, wenn sie pensioniert sind, denn dann können sie nichts mehr verlieren. Ich wollte «Klartext» reden, solange ich noch beruflich tätig bin. Ich will in keinster Weise missionieren. Ich berichte einzig und allein von der Lage der Dinge, dies aus meiner Sicht. Andere Lehrer ziehen eventuell andere Schlüsse aus ihrem Berufsleben. Mein Buch wurde unter anderem auch im Tele1 vorgestellt.  Charles Vincent, Chef Volksschulbildung Kanton Luzern, kommentierte es im Sinne von: «Jo dä Herr Meier, das ist ein Einzelfall. Unsere Lehrer im Kanton Luzern sind durchwegs zufrieden.» Ich meine, schön so!

Jetzt bist du pensioniert. Wie war die Abschiedsfeier?

Da war ich nicht mit dabei. Ich legte keinen Wert auf die Dankesformeln der Obrigkeit. Eine Begebenheit hat mich aber dann doch berührt. Im Nachhinein hat mir ein Lehrer ein Mäppchen meiner Schüler zugesteckt. Darin enthalten, Zeilen des Dankes, die sie mir an der Verabschiedung überreichen wollten.

Hast du mir in gekürzter Form zwei Beispiele?

Faton: «Herr Meier, sie haben mir durch die Jahre geholfen und mir vieles beigebracht. Ich werde sie nicht mehr vergessen! Ich hoffe, unser Kontakt wir für immer bleiben!»

Jehona: «Wenn ich persönlich ein kleines Loch im Bauch hatte, haben Sie mich mit allem Möglichen unterstützt. Und genau das macht Sie zu etwas Besonderem. Ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung und Hilfe im schulischen, aber auch in meinem persönlichen Bereich. Ich wünsche Ihnen nur das Beste vom Besten!»

Der «Hergiswiler» schrieb: Walter Meier gilt in Sachen Fussball als grösster Deutschland-Fan in der Schweiz. Wenn Meier von Klose, Balack und Podolski spricht, spricht er von «uns» und «wir». Warum?

Das hat verschiedene Gründe. Ich habe Zeit meines Lebens immer ein Herz für Aussenseiter gehabt. Und die DFB Auswahl ist hier zu Lande doch auch ein wenig Aussenseiter. Zudem bin ich als Fussballfan an den grossen Turnieren wie EM und WM gerne etwas länger mit meiner Mannschaft mit dabei. Als Fan der Schweiz ist das etwas schwierig …

In Hergiswil erzählt man sich, du legst an einer EM und WM in deiner «Berti Vogts-Arena» den Rasenteppich aus und hättest Open-House?

Das mit dem Teppich stimmt, das mit dem Open-House nicht. Als ausgewiesener DFB-Fan ist dir der Zutritt, nach Vorweisen der Eintrittskarte, eventuell erlaubt. Zudem gibt es ganz klare Regeln in meiner «Berti Vogts-Arena». Es sind keine Pfiffe und Schandwörter im Zusammenhang mit unseren Gegnern gestattet, ansonsten ziehe ich konsequent die rote Karte. Ebenso dürfen keine Böller oder sonstige Knallkörper abgefeuert werden. Für die Küche ist meine Frau Sonja zuständig. Sie bringt, bei meinen fordernden Glockentönen (das hasst sie zwar wie die Pest), Bier in die gute Stube. In der Halbzeitpause gibt’s Bretzen, Weisswürste, Weissbier, Radi und süssen Senf. Bei fortgeschrittenem Turnierverlauf kommen auch schon mal ihre weltbekannten Bouletten mit Kartoffelsalat auf den Tisch.

Wie auch immer, ich, und damit meine ich wir, sind mit Haut und Haaren Deutsche Fussballfans – aber – ganz wichtig, niemals gegen unseren jeweiligen Gegner, den wir als Gast herzlich willkommen heissen.

Du bist nicht nur Fussballfan, sondern auch noch ein eifriger Halbmarathonläufer. Warum quälst du dich in deinem Alter auch noch in dieser Sparte ab, oder stimmen etwa die Gerüchte, dass du nur mit Hilfe eines Taxis und einem Pausenbier im «Storchen» die Strecke meisterst?

Ich laufe seit Jahren ganz gerne, aber nur für mich allein. Einige Kilometer, um das Bier raus zu schwitzen. Ich könnte nie in einer Masse mit springen. In diesem Bewusstsein liess ich mich auf eine Wette ein. Sollten wir (DFB) in Brasilien Weltmeister werden, was im Vorfeld für mich absolut undenkbar war, denn in Brasilien wird mit Sicherheit Brasilien gewinnen, werde ich den Schnauz abrasieren, ganz in Weiß heiraten und den Halbmarathon in Luzern springen. Eine Bieridee, gegen die der kleine Götze in der 113. Minute etwas hatte und damit Deutschland, mit seinem Tor gegen Argentinien, den vierten WM Titel schenkte. Schnauz abhauen und in Weiss heiraten, alles klar, aber in der Masse springen? Eine Horrorvorstellung. Nun, auch da gab‘s eine Lösung. Entweder ich laufe an der Spitze oder ich verweile am Ende. Was ich nicht bedachte, gute Kollegen machten mich darauf aufmerksam, dass wir ja vier Jahre lang Weltmeister seien. Aber auch das wurde gemeistert, schon allein darum, weil mir Irene Fanger in jedem Jahr eine Startnummer reservierte, die mit einem WM-Titel identisch war: 1954, 1974, 1990, 2014. Das Pausenbier nach etwa 20 Kilometern in meiner Stammbeiz «Storchen» ist ein Muss, auch wenn ab diesem Halt alle Läufer, die ich bis zu diesem Zeitpunkt überholt habe, wieder an mir vorbeiziehen …

Ein Wort zum Abschluss?

Gerne. Im Frühling 2018 erscheint mein fünftes Buch «Alleinsein ist doof». Und, noch viel wichtiger, heute ist wichtig, was morgen sein wird, wer weiss das schon!


Marktindex.ch und Heinz Steimann danken herzlich für das spannende Interview und wünschen Sonja und Walter Meier weiterhin alles Gute!


 

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