Die letzten 20 Jahre haben die Welt rasant verändert: vom ersten iPhone über bargeldloses Bezahlen bis hin zur Künstlichen Intelligenz. Wer nicht Schritt hält, riskiert, den Anschluss zu verlieren – beruflich wie privat. Ein persönlicher Erfahrungsbericht darüber, warum es sich lohnt, neugierig zu bleiben.
von Ronnie Hürlimann
Immer am Puls der Zeit
Schon als Schüler war ich fasziniert von allem, was nach Zukunft roch. Während andere stolz ihre Füllfedern und Geodreiecke hervorholten, zückte ich einen der ersten elektronischen Taschenrechner – damals noch ein kleiner Luxus. Kurz darauf trug ich die erste Digitaluhr am Handgelenk, die im Freundeskreis für Gesprächsstoff sorgte. Technik war für mich nie bloss ein Werkzeug, sondern ein Abenteuer.
Später, viele Jahre vor der heutigen Smartphone-Selbstverständlichkeit, gehörte ich zu den ersten in der Region, die ein iPhone in den Händen hielten. Das Gerät war nicht nur Telefon, sondern Kamera, Notizblock, Musikplayer und Tor zur Welt in einem. Damals wie heute bezeichnet man Menschen wie mich in der Marketingsprache als Early Adopters – diejenigen, die Neues früh ausprobieren und dadurch anderen oft eine Nasenlänge voraus sind.

Das prägende Erlebnis am SBB-Automaten
Meine Begeisterung für Technologie hat aber nicht nur mit Freude und Neugier zu tun. Ein Erlebnis an einem Bahnhof hat mich tief geprägt. Die SBB stellte gerade ihre Ticketautomaten auf – ein Fortschritt, so hiess es. Vor mir stand ein älteres Ehepaar, beide sichtbar überfordert. Sie drückten ratlos auf dem Bildschirm herum, verstanden die Menüführung nicht, und während hinter ihnen die Schlange wuchs, seufzte die Frau irgendwann zu ihrem Mann: «Du, ich glaube, wir haben den Zug jetzt verpasst.»
Dieser Moment hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Es war, als würde die technologische Entwicklung Menschen, die nicht mithalten konnten, einfach am Rand zurücklassen. Ich schwor mir damals, nie in diese Situation zu geraten – nicht aus Stolz, sondern aus Selbstschutz. Seitdem nehme ich mir vor, bis zu meinem letzten Tag à-jour zu bleiben, wenigstens als Anwender und oberflächlicher Versteher.

Warum Stillstand gefährlich ist
Wer sich der technologischen Entwicklung entzieht, verliert nicht nur Bequemlichkeit, sondern auch Selbstständigkeit.
- Im Alltag: Von der Fahrplanauskunft bis zum Arzttermin läuft vieles nur noch online. Wer damit nicht umgehen kann, ist auf Hilfe angewiesen – manchmal sogar für Selbstverständlichkeiten.
- In der Gesellschaft: Digitale Kommunikation ersetzt den Briefkasten. Enkel verschicken Fotos per WhatsApp, Vereine organisieren sich via Facebook, Einladungen kommen per Mail. Wer das nicht nutzt, riskiert Isolation.
- Im Berufsleben: Auch mit 50 oder 60 Jahren ist Weiterbildung zentral. Programme, Plattformen und Tools entwickeln sich schneller, als man sie aussprechen kann. Wer hier nicht mitzieht, verliert Anschlussfähigkeit am Arbeitsmarkt.
Stillstand bedeutet Rückschritt – und der kostet Freiheit.

Tipps für alle, die den Faden verloren haben
Nicht jeder muss gleich zum Technik-Enthusiasten werden. Aber es gibt einfache Wege, Schritt zu halten:
- Neugier statt Angst: Fragen kostet nichts. Enkel, Nachbarn oder Kollegen erklären gerne, wenn man ehrlich nachfragt.
- Kleine Schritte: Nicht gleich alles auf einmal. Heute das Smartphone einrichten, morgen die Banking-App testen.
- Kurse nutzen: Viele Gemeinden, Bibliotheken oder Seniorenvereine bieten Einsteigerkurse für digitale Themen an – von «Wie funktioniert WhatsApp?» bis «Sicher im Internet».
- Routine schaffen: Neue Technik wird erst durch Gewohnheit zur Selbstverständlichkeit. Lieber regelmässig kleine Anwendungen als seltene «Technik-Marathons».
- Offen bleiben: Die Einstellung «Das brauche ich nicht mehr» ist gefährlich. Wer heute sagt, ohne E-Mail auszukommen, wird morgen vielleicht bei der Krankenkasse scheitern.
Künstliche Intelligenz – die nächste grosse Welle
Heute experimentiere ich mit Künstlicher Intelligenz. Ob beim Recherchieren oder Organisieren – KI ist das nächste grosse Kapitel. Sie wird vieles verändern, ob wir wollen oder nicht. Genau deshalb lohnt es sich, jetzt erste Schritte zu machen, statt später im Rückstand zu sein.
So wie damals beim Taschenrechner, der Digitaluhr oder dem iPhone gilt auch heute: Technik ist kein Selbstzweck. Sie ist ein Werkzeug, das den Alltag erleichtern, Chancen eröffnen und Lebensqualität sichern kann – wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen.

Technologie ist kein Luxus für die Jungen, sondern eine Notwendigkeit für alle Generationen. Wer den Mut hat, Neues auszuprobieren, gewinnt Freiheit, Selbstständigkeit und ein Stück Zukunft. Ich habe für mich entschieden: Ich bleibe dran – bis zu meinem letzten Tag.









