Montag, 26.09.2016 |
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Family-Blog: Nächtliche Glücksmomente am Gitterbettchen

Die Marktindex-Autorin Sabine Simmen hat drei kleine Jungs im Alter von 6 Monaten bis 4 Jahren und schreibt hier regelmässig über ihren turbulenten Alltag.

Mein jüngster Sohn schläft in der Nacht gerne schlecht. Und dies äussert er gerne lautstark. Wieso? Wenn ich das wüsste! Vielleicht hat er den Tag über zu viel oder zu wenig geschlafen. Vielleicht bekommt er Zähne. Vielleicht ist gerade Vollmond, Schneeblizzard oder Sahara-Sandsturm. Oder vielleicht macht er es einfach aus Prinzip, weil sich dies für ein 14-monatiges  Kleinkind einfach so gehört.

So oder so – beim dritten Kind denkt man nicht mehr über mögliche Ursachen nach, sondern kümmert sich einfach möglichst schnell um die Schadensbehebung. Und die geht diesem Fall so: Ich setzte mich in sein Zimmer neben sein Gitterbettchen, streichle über seinen kleinen Babyrücken und hoffe, dass a) er möglichst schnell wieder einschläft, dass b) ich möglichst schnell wieder ins Bett kann und dass c) alle anderen möglichst unbehelligt weiterschlafen.

Da dieses Unterfangen gerne etwas länger dauert, richte ich mich dort in seinem Zimmer am Boden richtig kuschelig ein. Unter seinem Bett nehme ich die kleine Matratze hervor – auf der sitzt es sich weich und warm. Und aus dem Regal gleich daneben klaube ich mir die violette Decke, in die ich mich einmummeln kann. Und mein wichtigstes Utensil bei diesen nächtlichen Unterfangen ist mein iPhone. Ja, ich weiss. Elektrosmog, störendes Blauweiss- (oder Weissblau?) Licht und alles Schlimme. Aber ich streichle den kleinen Rücken oft lange und dabei ist mir langweilig. Deshalb lese ich Nachrichten, bin auf Facebook oder stöbere in meinen iBooks. Aber ich muss gestehen: Am allerliebsten game ich! Das ist etwas, das ich tagsüber als blödsinnige Zeitvergeudung betrachte, aber des Nachts mit Leidenschaft fröne!

Farm Heroes, Candy Crash oder gerne auch Bubble Witch 1 und 2. Ich verschiebe Zältli, kombiniere träge blinzelnde Erdbeeren und Äpfel oder schiesse farbige Kugeln vom Himmel. Dabei geht das über-den-Rücken-Streicheln fast wie von alleine und ich vergesse Kummer und Sorgen. Zum Beispiel, dass ich jetzt lieber im Bett läge. Dass ich morgen wieder früh raus muss. Oder dass ich unter dem Regal unbedingt mal wieder Staubsaugen sollte, denn aus meiner Perspektive erkenne ich dort eine wahre Staubwüste gespickt mit einigen Nuggis und diversem, schon für immer vergessen geglaubtem Spielzeug.

Zwischendurch – wenn sich der neue Level auflädt oder ich das Spiel wechsle, betrachte ich mein Kind und erkenne, wie es sich beruhigt und allmählich wieder in den Tiefschlaf abgleitet. Weiter so!

So geht es meist eine Weile lang. Und dann habe ich es endlich geschafft! Ich freue mich! Strike! Was? Nein, nicht wegen dem Kind, das schläft nämlich schon längst wieder. Nein, ich habe bei Candy Crush 24 Stunden unbeschränkte Lebenspower erspielt!

Glücklich und jetzt todmüde schleiche ich in mein Bett zurück und hoffe, dass die nächste Nacht ein bisschen ruhiger wird. Und wenn dich doch wieder etwas plagt, mein lieber Sohne, dann aber bitte bitte zeitlich ein bisschen früher als diese Nacht! Denn es wäre ja schade, wenn ich von diesem für 24 Stunden unbegrenzten Spielspass nicht noch ein, zwei Stündchen profitieren könnte.

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