Freitag, 30.09.2016 |
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Das 1×1 der Tischmanieren

Sie haben eine Einladung zum Geschäftsessen bekommen? Wahrscheinlich stellen Sie sich zuerst die Frage: Was soll ich anziehen? Das eleganteste Kleid oder das teuerste Jackett genügt jedoch bei Weitem nicht, um eine gute Figur an der Tafel zu machen.

Bewerben Sie sich für eine Stelle mit viel Kundenkontakt, kann es durchaus sein, dass der Personalchef das Vorstellungsgespräch mit einem Essen in einem gehobenen Restaurant verbindet. Wer hier grobe Fehler macht, muss damit rechnen, trotz guter beruflicher Qualifikationen eine Absage zu bekommen. Bei einem wichtigen Essen warten jede Menge Fettnäpfchen. Lesen Sie hier, wie Sie diese vermeiden:

So essen und trinken Sie mit Stil

Die Vorspeisen: Suppe, Salat, Brot
Ist die Suppe zu heiss, sind Pusten und Schlürfen tabu! Ebenso darf das Brot nicht in die Suppe gedippt werden. Erlaubt ist es dagegen, den Teller ein wenig zu kippen, damit Suppenreste ausgelöffelt werden können. Aus einer Suppentasse dürfen Reste sogar getrunken werden. Wird vor dem Essen Brot und Butter gereicht, streichen Sie auf keinen Fall ein Butterbrot! Stattdessen brechen Sie jeweils ein mundgerechtes Stück ab, bestreichen dieses einzeln mit Butter und essen es mit der linken Hand. Belegte Brote und Sandwiches werden mit Besteck gegessen. Es gilt als unfein, Brot in Sossenreste (das gilt auch für Salatsosse) zu tunken. War es früher tabu, Salatblätter zu schneiden, ist dies inzwischen erlaubt. Schneiden Sie aber nicht alles auf einmal, sondern Biss für Biss.

Kartoffeln, Pasta und Pizza
Sie schneiden Spaghetti und löffeln sie dann? Das können Sie tun: aber bitte nur zu Hause! Profis drehen die Spaghetti mit der Gabel auf, weniger Geübte verwenden dazu einen Löffel als Drehunterlage. Pizza muss im Restaurant mit Besteck gegessen werden. Am besten schneiden Sie diese dafür erst in Stücke. War es früher verpönt, Kartoffeln zu schneiden, so ist das heute kein Problem mehr. Feinschmecker allerdings zerteilen sie immer noch mit der Gabel.

Fleisch und Fisch
Während es auf Grillpartys üblich ist Poulet mit den Fingern zu essen, wird es an einer Tafel mit Besteck gegessen. Nur wenn es gar nicht anders geht, dürfen Sie die Hände zu Hilfe nehmen. Wird Ihnen ein Fleischspiess serviert, streifen Sie das Fleisch ab und essen es dann mit Messer und Gabel. Für Fisch gibt es spezielles Fischbesteck. Fehlt dieses, können Sie zwei Gabeln verwenden. Gräten legen Sie auf einen Extrateller. Eine Herausforderung ist der Hummer: Sie dürfen die Beine und Scheren mit der Hand anfassen, eine Hummergabel erleichtert es, das Scherenfleisch herauszuziehen. Der restliche Hummer wird mit Besteck gegessen. Hat der Koch die Zangen nicht bereits geknackt, benutzen Sie dafür die Hummerzange. Die leeren Schalen kommen auf den extra bereitstehenden Teller, die Finger säubern Sie in dem dafür gereichten Zitronenwasser.

Getränke
Ob Sie Rot- oder Weisswein bevorzugen, dürfen Sie inzwischen selber bestimmen. Die frühere Regel, dass Rotwein zu rotem Fleisch und Weisswein zu weissem Fleisch gereiht wird, gilt nicht mehr. Weingläser werden übrigens immer am Stiel angefasst. Schenkt Ihnen der Kellner einen Schluck zum Testen ein, möchte er nicht wissen, ob Ihnen der Wein schmeckt: Sie sollen lediglich die Qualität prüfen. Stimmt die Temperatur und „korkelt“ der Wein nicht, bestätigen Sie das durch ein Nicken. Warten Sie bitte ansonsten immer, bis der Gastgeber sein Glas erhebt. Cocktailfrüchte dürfen Sie dann essen, wenn diese aufgespiesst sind, nicht jedoch, wenn sie den Glasrand zieren.

Gern wird nach dem Essen ein Kaffee oder ein Espresso getrunken. Bestellen Sie diesen jedoch niemals, solange am Tisch noch jemand isst. Normalerweise werden Heissgetränke erst nachdem Besteck und Teller abgeräumt wurden serviert.

Am Buffet
Wer kennt nicht das Benehmen mancher Gäste in Ferienhotels am Buffet. Aber auch wer meint, bessere Manieren zu haben, kann immer noch einiges falsch machen: Auch wenn man sich am Buffet bedient, sollte die Menü-Reihenfolge eingehalten werden. Zuerst also die Vor- und dann die Hauptspeise, abschliessend das Dessert oder Käse. Kreuz und quer essen ist tabu. Für jeden Gang muss ein frischer Teller und sauberes Besteck genommen werden.

Tischmanieren

Besteck und Servietten
Es spielt keine Rolle, ob eine Serviette aus Papier oder Stoff bereitliegt: Stecken Sie diese niemals in den Hemdkragen oder Ausschnitt. Eine Ausnahme bilden nur die speziellen roten Hummerservietten. Falten Sie die Serviette einmal zur Mitte, sodass Sie vor dem Trinken mit der oberen Innenseite den Mund abtupfen können. Nach dem Essen oder wenn Sie zwischendurch aufstehen, kommt die Serviette links neben den Teller. Besteck verwenden Sie stets von aussen nach innen und legen benutztes nicht mehr zurück auf den Tisch.

Die Kommunikation bei Tisch

Vielleicht finden Sie, dass all diese Regeln nun doch etwas kompliziert sind. Ein Fauxpas kann immer passieren: Eine Entschuldigung, ein charmantes Lächeln rettet dann die Situation, wenn Sie ansonsten souverän und unverkrampft auftreten. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt sind die Tischgespräche: Auch hier gibt es Regeln, die Sie kennen sollten! Vor allem in einem internationalen Geschäftsumfeld wie auch bei grossen privaten Anlässen gehört Small Talk dazu. Die Atmosphäre ist locker und man lernt sein Gegenüber beim Austausch über das Wetter, das letzte Ferienziel, Kunst, Hobbys etc. auf unkomplizierte Weise besser kennen. Negative Äusserungen oder Themen sollten Sie dabei aber auf jeden Fall vermeiden.

Möchten Sie noch etwas bestellen oder die Rechnung begleichen, rufen Sie auf keinen Fall „Herr Kellner“ oder gar „Fräulein“. Machen Sie besser durch ein diskretes Handzeichen oder Blickkontakt auf sich aufmerksam. Zu guter Letzt soll auch das allgegenwärtige Handy noch erwähnt werden: Im Restaurant muss Ihr Telefon immer abgestellt werden. Erwarten Sie einen unaufschiebbaren Anruf, stellen Sie es bitte auf Vibrationsalarm. Restaurants der gehobenen Klasse ermöglichen meistens, dass das Handy hinterlegt werden kann und der Kellner bei einem Anruf ein Zeichen gibt. Keinesfalls gehört das Handy auf den Tisch. Das wirkt auch im privaten Bereich sehr unhöflich und signalisiert dem Gegenüber, dass es nur geteilte Aufmerksamkeit bekommt.

Sie werden schnell merken, dass Sie mit guten Manieren leichter durchs Leben kommen und bei Ihren Mitmenschen punkten können.

Text Sabine Itting

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